Ärzte Zeitung, 12.06.2008

Brüssel und Berlin investieren in die Forschung

Künftig sollen mehr Innovationen aus Deutschland und der EU kommen und weniger Wissenschaftler abwandern

BERLIN/BRÜSSEL (brs). Pharma- und Biotechunternehmen registrieren es mit Freude: Wo Gesundheitspolitiker vielleicht noch dazulernen müssen, haben Forschungspolitiker die Zeichen der Zeit erkannt. Noch nie zuvor gab es in Deutschland und der EU für die Arzneimittelforschung so viele Erfolg versprechende staatliche Initiativen wie derzeit.

 Brüssel und Berlin investieren in die Forschung

Die Politik interessiert sich für die Pharmaforschung: Roland Koch, Angela Merkel und Novartis-Chef Daniel Vasella nehmen im Oktober 2007 bei Novartis-Behring in Marburg die weltweit erste Zellkultur-Grippeimpfstoff-Anlage in Betrieb.

Foto: dpa

In Deutschland gibt es zwar viele Pharmaunternehmen, Marktinnovationen kamen aber in der Vergangenheit eher aus den USA, Großbritannien oder der Schweiz, stellte Bundesforschungsministerin Annette Schavan fest, als sie vor nicht ganz einem Jahr die "Pharma-Initiative für Deutschland" der Öffentlichkeit vorstellte. Zum Teil liegt das daran, so ihre Analyse, dass die Akteure auf dem langen Weg eines neuen Arzneimittels vom Labor zur Apotheke, also Wissenschaftler, Kliniker, Pharmaunternehmen, Hersteller und Zulassungsstellen, in Deutschland zu wenig vernetzt sind.

Das soll die Pharma Initiative ändern. Mit ihr sollen die Lücken in der Wertschöpfungskette geschlossen werden. Was heißt: Künftig soll es weniger häufig vorkommen, dass vielversprechende Substanzen aus deutschen Laboren von beispielsweise US-Unternehmen weiterentwickelt und auf den Markt gebracht werden, weil dort die Forschungsinfrastruktur besser funktioniert. Die staatlichen Gelder, immerhin 800 Millionen Euro bis zum Jahr 2011, sollen daher auch für anwendungsorientierte Forschung ausgegeben und die spätere Markteinführung frühzeitig ins Visier genommen werden.

Eine schnellere Entwicklung von therapeutischen Innovationen und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Arzneimittelindustrie hat die Innovative Medicines Initiative (IMI) der EU zum Ziel. Als Partner der Initiative stellen die EU und die forschenden Arzneimittelhersteller über ihren Dachverband EFPIA je eine Milliarde Euro zur Verfügung. Die Fördergelder werden nicht für die Entwicklung bestimmter Arzneimittelinnovationen verwendet. Vielmehr wurde der Fokus gesetzt auf neue Ansätze, Methoden und Technologien, auf die Verbesserung des Wissensmanagements und die Fortbildung von Professionals. Ein Ziel sind auch mehr und bessere Jobs für Wissenschaftler, um so die Abwanderung aus der EU zu stoppen. Die EU soll insgesamt für Investitionen in die Forschung und Entwicklung attraktiver werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »

Rettungsgasse blockieren kostet 320 Euro

Länderkammer verschärft die Bußgeldhöhe, wenn Rettungsgassen nicht beachtet werden. mehr »

Palliativmedizin erfordert Zusatzqualifikation

Die Debatte um die Verpflichtung von Hausärzten zur Zusatzausbildung in Palliativmedizin schlägt hohe Wellen. In der KBV-Vertreterversammlung am Freitag wurde KBV-Vize Hofmeister nun grundsätzlich. mehr »