Ärzte Zeitung, 16.09.2008

Bessere Versorgung, mehr ambulante Therapie: Arzneiausgaben steigen um 2,4 Milliarden Euro

Im Jahr 2009 könnten die Arzneiausgaben um 8,1 Prozent auf 31,7 Milliarden Euro steigen. Der Grund: Mehr Patienten werden besser versorgt, teure Therapie wird vom Krankenhaus in die Praxis verlagert.

Von Helmut Laschet

bessere versorgung, mehr ambulante therapie: arzneiausgaben steigen um 2,4 milliarden euro

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Drei Wochen vor Bekanntgabe des neuen einheitlichen GKV-Beitragssatzes durch die Bundesregierung hat das Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) seine Ausgabenprognose für Arzneimittel im Jahr 2009 vorgelegt: Sie steigen um 8,1 Prozent auf 31,7 Milliarden Euro (ohne Impfstoffe und Kontrazeptiva).

Dominant ist dabei der Verbrauchsanstieg, der zusätzliche Ausgaben von 2,123 Milliarden Euro verursacht und damit fast doppelt so stark ist wie 2006. Hinzu kommt der ausgabensteigernde Effekt von Innovationen in der Größenordnung von 427 Millionen Euro. Dem stehen Einsparungen von 302 Millionen Euro aufgrund verstärkten Generika-Einsatzes und Preissenkungen (81 Millionen Euro) gegenüber. Die prognostizierten Sparreserven sind allerdings deutlich kleiner als in den Vorjahren.

Für die Ausgabenzuwächse liefert IGES-Chef Professor Bertram Häussler, der die Prognose im Auftrag des VFA erstellt hat, mehrere Erklärungen: In der Grundversorgung sind es sinkende Preise, die dazu führen, dass Ärzte ihre Patienten intensiver versorgen. In der Spezialversorgung sind es Innovationen und Verlagerungseffekte vom Krankenhaus in die Praxis, die einen Ausgabenzuwachs von 1,25 Milliarden verursachen.

Erstmals hat IGES eine längerfristige Prognose bis zum Jahr 2015 vorausberechnet. Danach wird sich der Ausgabenanstieg etwas abflachen. Der Grund dafür ist, dass Ärzte die Unterversorgung von Patienten mit Volkskrankheiten inzwischen bis auf eine kleine Lücke abgebaut haben, die Arzneimittel dafür aber wesentlich billiger geworden sind.

Um 2,4 Milliarden Euro steigen die Arzneiausgaben voraussichtlich im Jahr 2009.

Beispiel: In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl verordneter Tagesdosen bei Antihypertonika auf 12,6 Milliarden mehr als verdoppelt, während die Ausgaben von drei auf 2,7 Milliarden Euro gesunken sind. Häussler erwartet, dass die Grundversorgung ab 2010 nur noch um etwa zwei Prozent wächst. Anders dagegen das Segment der Spezialversorgung: Hier wird weiter mit hohen Zuwächsen zwischen 8 und 13 Prozent gerechnet. Wahrscheinlich ist damit ein Gesamt-Ausgabenwachstum zwischen 4,4 und 6,6 Prozent.

Die IGES-Prognose hat zwei wichtige Funktionen: Sie ist Basis für die Zielvereinbarungen von Kassen und KVen, die im laufenden Jahr voraussichtlich eingehalten werden können. Außerdem muss die Bundesregierung in diesem Jahr erstmals den einheitlichen GKV-Beitragssatz festlegen. Nach den IGES-Berechnungen sind mindestens 15,5 Prozent nötig, um die Zusatzausgaben für das Ärztehonorar, die Krankenhäuser und die Arzneimittel zu finanzieren. Annahme: Der Arbeitsmarkt floriert und bessert die Kassenfinanzen auf.

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