Ärzte Zeitung online, 22.12.2008
 

Bundesausschuss drängt Impfkommission zur erneuten Prüfung der HPV-Impfung

BERLIN (fst). Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hat die Ständige Impfkommission (STIKO) schriftlich aufgefordert, ihre Bewertung der HPV-Impfung für 12- bis 17-jährige Mädchen nochmals zu überprüfen. An der Erstattung in der GKV soll aber offenbar nicht gerüttelt werden.

Hintergrund des Schreibens ist die Kritik von 13 Wissenschaftlern an der Impfempfehlung der STIKO. Darin haben die Experten Ende November Zweifel am Nutzen der Impfung geäußert und ihre schnelle Einführung kritisiert (wir berichteten). Mehrere Mitglieder der Impfkommission haben die Kritik in den vergangenen Wochen als unbegründet bezeichnet. Der GBA-Vorsitzende Dr. Rainer Hess zeigt sich aber unzufrieden: "Die pauschale Zurückweisung der Kritik ist nicht ausreichend", sagte Hess der "Ärzte Zeitung".

Er erinnerte daran, dass allein der GBA rechtlich verantwortlich sei für die Einführung der HPV-Impfung als Pflichtleistung der gesetzlichen Kassen. "Wir brauchen ein wissenschaftlich begründetes Votum der STIKO, das sich mit der Kritik dezidiert auseinandersetzt", forderte Hess.

Im Zentrum einer erneuten Prüfung müsse das Ausmaß des Nutzens der Impfung stehen. "Je geringer der Nutzen, desto mehr muss man die Frage stellen, ob es rechtlich vertretbar ist, die Impfung zu Lasten der Kassen vorzunehmen", stellte er klar.

Dies gelte vor allem angesichts der Tatsache, dass die Impfung "hinsichtlich der Arzneimittelkosten zu den teuersten Leistungen" in der GKV gehört. "Daher erwarten wir, dass der Zusatznutzen im Vergleich zur Früherkennung ausreichend belegt ist", so der GBA-Chef. Hess betonte aber, auch rückblickend habe es zum Zeitpunkt der Einführung dieser Impfung keine Alternative gegeben.

Theoretisch kann der GBA von den Empfehlungen der STIKO abweichen. Der GBA-Chef stellte aber klar: "Die Impfung bleibt GKV-Leistung. Wir haben nicht die Absicht, sie aus dem Leistungskatalog herauszunehmen."

Unterdessen hat Gesundheitsministerin Ulla Schmidt vor wenigen Tagen bekräftigt, sie stehe "voll und ganz hinter der Entscheidung für diesen Impfstoff". Die Ministerin betonte, für sie zähle "jede Frau, der ein solcher Eingriff oder sogar Krebs erspart bleibt" (wir berichteten).

Lesen Sie dazu auch:

Harald zur Hausen beharrt auf dem Nutzen der HPV-Impfung

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