Ärzte Zeitung online, 05.01.2009

Arzneimittelkommission sieht Information durch Hersteller kritisch

BERLIN (eb). Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) hat sich kritisch zu den Plänen der EU-Kommission geäußert, wonach Arzneimittelhersteller künftig Patienten direkt über verschreibungspflichtige Präparate informieren dürften.

Die Arzneimittelkommission lehnt diesen Richtlinienentwurf ab. Als Begründung werden die Risiken angegeben, "die aus einer Ausweitung der Infomationsmöglichkeiten der Industrie resultieren". Es könne nicht verhindert werden, dass Hersteller mit direkter Patienteninformation "auch eigennützige Ziele verfolgen und durch Überschreitung der unscharfen Grenzen zur Werbung Informationen auch als Bestandteil ihres (...) Marketings für Arzneimittel nutzen".

Der Richtlinienentwurf sieht eine Unterscheidung zwischen erlaubter "Information" und unerlaubter "Werbung" für verschreibungspflichtige Arzneimittel vor. Die Vorlage verbietet es, Informationen über Radio oder Fernsehen zu verbreiten. Gestattet sind die Weitergabe von Informationen über das Internet oder Printmedien nur dann, wenn sie von Patienten angefordert oder abgefragt werden. Aufgabe der Mitgliedsstaaten soll es sein, Inhalte, Qualitätsstandards und die Verbreitung der Informationen zu kontrollieren.

Die Verbände der pharmazeutischen Industrie hingegen haben den Vorschlag der Kommission begrüßt. Für den Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) erklärte Professor Barbara Sickmüller, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin: "Die pharmazeutische Industrie verfügt über wichtige Informationen zu ihren Arzneimitteln, die zunehmend auch von Patienten nachgefragt werden. Es ist dabei klar zwischen Information und Werbung zu unterscheiden. Das bisherige Werbeverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel steht in keiner Weise zur Debatte."

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