Ärzte Zeitung, 25.02.2009

Kommentar

Geheime Kommandosache

Von Helmut Laschet

Informationen über Arzneimittel, sofern sie von einem Hersteller direkt stammen, werden in Deutschland und Europa wie eine geheime Kommandosache behandelt. Die Tradition der Mediziner-Zunft, ihr Wissen um Krankheit und Therapie zu monopolisieren und zu mystifizieren, mischt sich mit der paternalistischen Sorge staatlicher Institutionen, Patienten könnten zum Opfer kommerzieller Interessen der Arzneimittelhersteller werden.

Im Grunde genommen sind derartige Informationsverbote Relikte aus vordemokratischen Zeiten. Sie entsprechen nicht den von Bürgern und Patienten selbst artikulierten Interessen, nicht ihren Fähigkeiten - und noch nicht einmal der Attitüde der praktizierenden Ärzte, die ganz überwiegend die Kooperation mit dem informierten Patienten bevorzugen.

Tatsache ist: Auch Patienten können mit Informationsvielfalt umgehen. Im Zweifel bleibt immer der Arzt gefragt. Höchst fragwürdig ist allerdings der immer politisch apostrophierte Anspruch auf eine sogenannte unabhängige Information. Der Verdacht liegt nahe, dass damit Wissens- oder zumindest Interpretationsmonopole eingerichtet werden sollen. Dass Standesvertretungen dabei an oberster Stelle mitmischen, zeigt: Es geht auch um Macht.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Der informierte Patient ist Realität - und die meisten Ärzte kommen damit klar

Lesen Sie dazu auch:
Patienten wünschen sich viele Info-Quellen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Weniger Kardiologen = mehr Herztote?

In Bundesländern mit weniger niedergelassenen Kardiologen sterben mehr Patienten an Herzerkrankungen, so der aktuelle Herzbericht. mehr »

Fehlerquelle Datenschutzerklärung

Die meisten Praxis-Websites von Haus- und Fachärzten erfüllen nicht die gesetzlichen Anforderungen. Das legt eine aktuelle Studie nah. mehr »

Nach einem Hörsturz ist das Schlaganfallrisiko erhöht

Nach einem Hörsturz haben Patienten ein erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. In einer südkoreanischen Studie war dies kontinuierlich über einen elfjährigen Nachbeobachtungszeitraum festzustellen. mehr »