Ärzte Zeitung online, 01.07.2009

Forschende Pharmaindustrie erwartet Therapiefortschritte bei 130 Krankheiten

BERLIN (hom). Patienten können auf neue Medikamente im Kampf hoffen, vor allem gegen Krebsleiden. Nach Angaben des Branchenverbands VFA haben die forschenden Arzneimittelhersteller in Deutschland - wie gestern kurz berichtet - derzeit 442 neue Arzneimitteltherapien in der Pipeline, die bis spätestens 2013 zugelassen werden könnten.

"Mehr als 130 Krankheiten sollen so besser behandelbar werden", sagte der Vorsitzende des VFA, Dr. Wolfgang Plischke, vor Journalisten in Berlin.

Die Krebstherapie, vor allem die Bekämpfung von Lungen-, Prostata- und Darmkrebs, führe die Liste der möglichen Innovationen an, so Plischke weiter. "Knapp ein Drittel aller neuen Behandlungsmöglichkeiten werden für Krebspatienten entwickelt." Dabei kümmerten sich die Unternehmen auch um Tumorerkrankungen, die bislang besonders schlecht zu behandeln sind. Dazu zählen Eierstock- und Bauchspeicheldrüsenkrebs sowie Hirntumoren vom Typ Glioblastom.

Der VFA hatte 47 Mitgliedsunternehmen nach Medikamenten befragt, die derzeit von diesen erforscht werden und bis 2013 Marktreife erlangen könnten. Demnach erhoffen sich die Hersteller neben Innovationen im Bereich der Krebstherapie vor allem neue Therapien gegen Infektionen, Herz-Kreislauf- und Entzündungserkrankungen. "97 Prozent der Projekte gelten schweren Krankheiten, lediglich drei Prozent entfallen auf leichtere Einschränkungen", betonte Plischke.

Seinen Angaben zufolge sind Fortschritte auch für Patienten zu erwarten, die an Multipler Sklerose erkrankt sind. Zum Hinauszögern von Krankheitsschüben seien bislang Präparate nötig, die regelmäßig gespritzt werden müssen. Fünf Unternehmen würden derzeit daran arbeiten, bis 2013 neue Präparate in Tabletten- oder Kapselform verfügbar zu machen. Dadurch könnten die Injektionen möglicherweise ersetzt und die Therapie könnte verbessert werden, erklärte Plischke.

Gegen MRSA, einen wegen seiner hochgradigen Resistenz gegen vorhandene Antibiotika gefürchteten Bakterienstamm, könnten bis 2013 drei neue Antibiotika und eine Schutzimpfung entwickelt werden. Impfstoffe könnten erstmals auch gegen Malaria, Genitalherpes und Hirnhautentzündung durch Meningokokken B zugelassen werden. Gleich drei Mitgliedsunternehmen hätten dem VFA mitgeteilt, dass sie derzeit an Impfstoffen gegen die Neue Grippe arbeiten. Diese könnten noch im laufenden Jahr verfügbar gemacht werden, so Plischke.

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