Ärzte Zeitung online, 15.07.2009

Bundesgesundheitsministerium untersucht Stückelung von Arzneipackungen

BERLIN (cw). Nach einem Bericht von "Report München" über die Stückelung von N3-Verordnungen durch Apotheker interessiert sich nun auch das Bundesgesundheitsministerium für die Angelegenheit und stellt eigene Nachforschungen an.

In einem Schreiben an den GKV-Spitzenverband, die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) sowie die Pharmaverbände verweist das Ministerium auf die "grundlegende Bedeutung der gesetzlichen Rabattverbote für die Ordnung des Arzneimittelmarktes" und erbittet weitere Informationen bis Mitte August. Von den Kassen und der ABDA will man wissen, welche Erkenntnisse vorliegen, dass Apotheken regelhaft andere Packungen abrechnen, als sie tatsächlich abgeben" und ob Maßnahmen getroffen werden, die Praxis der Stückelung zu unterbinden. Die Pharmaverbände werden gebeten, bei ihren Mitgliedern zu erfragen, "für welche Arzneimittel-Packungen bei Stückelung kleinerer Packungen in der Summe niedrigere Apothekenabgabepreise gelten als für die entsprechende Großpackung". Und: ob Firmen beabsichtigen, ihre Preise so zu ändern, dass es nicht mehr möglich ist, bei gestückelter Abgabe unter Abrechnung einer Großpackung eine Marge zu erzielen.

Anfang voriger Woche hatte das Fernsehmagazin "Report München" berichtet, es sei weit verbreitete Praxis, dass Apotheker mehrere kleine Packungen abgeben aber gegenüber der Kasse die vom Arzt verordnete Großpackung abrechnen. Da die Apotheker die kleinen Packungen in der Summe günstiger einkaufen können als die mengenäquivalente Großpackung, ergebe sich für sie ein Gewinn.

Dem Bericht zufolge zeigten Berechnungen, dass in einem Jahr zwei Millionen mehr Großpackungen etwa mit dem Magenmittel Omeprazol abgerechnet, als tatsächlich von den Apotheken beim Großhandel eingekauft worden waren. Umgekehrt seien fünf Millionen mehr Kleinpackungen (zu je 15 Kapseln) eingekauft als verordnet worden.

Der Deutsche Apothekerverband ließ verlauten, wenn die Stückelung nicht durch Lieferprobleme begründet sei, sondern nur dazu diene, den Gewinn zu maximieren, sei sie "falsch und müsse gegebenenfalls geahndet werden".

Unterdessen teilte die ABDA mit, "die Apotheker begrüßen die Idee, künftig mehr Verantwortung bei der wirtschaftlichen Abgabe von Arzneimitteln zu übernehmen". Der Verband bezog sich auf den Vorschlag der Kassenärztliche Bundesvereinigung, Ärzte sollten künftig nur noch Wirkstoffe verordnen und den Apothekern die Auswahl der Produkte überlassen.

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