Ärzte Zeitung online, 11.09.2009

IQWiG: Nutzen von Alzheimer-Wirkstoff unbelegt

KÖLN (dpa). Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat dem Wirkstoff Memantin keinen Nutzen bei Alzheimer-Demenz attestiert. Es gebe keine wissenschaftlichen Belege, dass Patienten mit einer mittelschweren oder schweren Alzheimer-Demenz von Medikamenten profitieren, die den Wirkstoff Memantin enthalten, so das Institut am Donnerstag. Es hatte die Daten mehrere Studien analysiert.

Cholinesterasehemmer und Ginkgo könnten hingegen zumindest kurzfristig bei leicht und mittelschwer Erkrankten einige Symptome lindern. Es gebe aber immer noch keine Therapie, die Alzheimer-Demenz entscheidend beeinflussen und damit dem schleichenden Vergessen langfristig Einhalt gebieten könne. Die Wirkung nichtmedikamentöser Ansätze wie Gedächtnistraining seien zu wenig untersucht.

In Deutschland wird Memantin von den Unternehmen Merz und Lundbeck vertrieben. Merz nannte den IQWiG-Bericht weder in sich schlüssig noch angemessen. "Mit seiner rein statistischen Betrachtung hat das Institut den klinischen Nutzen sowie die Praxiserfahrung von Ärzten, Patienten und Angehörigen bewusst ignoriert und gefährdet damit die lückenlose Versorgung der Alzheimer-Patienten in Deutschland", sagte Sprecher Martin Zügel laut einer Mitteilung.

Das IQWiG arbeitet für den Gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen und für das Bundesgesundheitsministerium. Es legt fest, was die Gesetzlichen Krankenversicherungen bezahlen müssen.

Zum Abschluss-Bericht des IQWiG
Zur Kurzfassung des Berichts

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