Ärzte Zeitung, 21.10.2009

ProGenerika: "Die Erlöse erodieren in noch nie da gewesenem Tempo"

Sparen die Krankenkassen die deutsche Generikaindustrie zu Tode? Davor warnt zumindest der Branchenverband ProGenerika: Bis zu 20 000 Arbeitsplätze seien direkt oder indirekt in Gefahr.

Von Bülent Erdogan

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Arzneimittel-Produktion bei Stada im hessischen Bad Vilbel.

Foto: dpa

BERLIN. Die Generikaproduktion in Deutschland steht nach Ansicht des Geschäftsführers des Branchenverbands ProGenerika, Peter Schmidt, unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen vor dem Aus. Bis zu 20 000 Arbeitsplätze könnten damit direkt oder indirekt verschwinden, so Schmidt.

"Das Geschäftsmodell ist akut gefährdet", sagte Schmidt auf dem Kongress "Pharma Sales Force" in Berlin. Als Grund nannte er das Vorgehen von Kassen wie der AOK, exklusive Rabattverträge mit Herstellern über einzelne Wirkstoffe zu schließen. Einziges Ziel der Kassen sei es dabei, kurzfristige Einsparungen zu erzielen. Zu "intelligenten Verträgen", mit denen bessere Versorgungskonzepte realisiert werden könnten, sei es hingegen bisher "in keinem einzigen Fall" gekommen, kritisierte er.

Folge dieser Geschäftspolitik der Kassen sei eine "in einem noch nie da gewesenen Tempo" stattfindende Erosion der Herstellererlöse. Dabei komme es auch nicht darauf an, so Schmidt, ob die Kasse für jeden Wirkstoff nur einen Partner unter Vertrag nehme oder drei oder vier, im Gegenteil: Da die Hersteller nicht wüssten, welches Angebot ihre Konkurrenten gemacht hätten, komme es mitunter zur Abgabe von Medikamenten unter Herstellungskosten. Bei Verträgen mit mehreren Konkurrenten sei darüber hinaus der erzielbare Marktanteil unsicher, zudem müssten die Hersteller weiter kostenintensives Marketing in den Apotheken betreiben.

Schmidt befürchtet, dass sich wegen dieses Kostendrucks am Ende ein Oligopol von Herstellern herausbildet und diese ihre Produktpalette auf "Blockbuster" beschränken werden. Als Beispiel nannte er den Hersteller TEVA, der in den USA mit nur 22 Wirkstoffen einen Umsatz von fünf Milliarden US-Dollar mache.

Bereits im April hatte auch der Vorstandssprecher der HEXAL AG und Leiter der Sandoz-Gruppe Deutschland, Helmut Fabry, mit der Aufgabe des Produktionsstandorts Deutschland gedroht, wenn es beim Konzept der Wirkstoffverträge bleibt (wir berichteten). "Dann entsteht auch für uns eine Situation, wo die ökonomische Grundlage der Gewinn-Verlust-Rechnung anders aussieht." Zwar sei man Deutschland verpflichtet, doch werde man nötigenfalls nicht zögern, einen solchen Schritt zu tun.

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