Ärzte Zeitung online, 19.02.2010

Rösler will Arzneimittelpreise senken

BERLIN (hom). Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hat seinen Willen bekräftigt, im Arzneimittelbereich Geld einzusparen. Deutschland verfüge auch deshalb über eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, weil hier der Zugang zu neuen innovativen Arzneimitteln für gesetzlich Krankenversicherte gesichert sei.

Rösler will Arzneimittelpreise senken

"Niemand hat einen Freibrief, wenn es um die Ausgaben in der Gesetzlichen Krankenversicherung geht." © dpa / bildfunk

"In Deutschland sind allerdings auch die Preise von innovativen Medikamenten besonders hoch. Hier wollen wir ran", sagte Rösler nach einem Treffen mit Vertretern der pharmazeutischen Industrie am Donnerstagabend in Berlin. Den Patienten müssten auch künftig innovative Arzneimittel zur Verfügung stehen. "Aber es muss bezahlbar bleiben", betonte Rösler.

In der vergangenen Woche hatte sich der Gesundheitsminister bereits mit Vertretern der Krankenkassen getroffen, um gemeinsam Einsparpotenziale im Arzneimittelbereich auszuloten. Rösler zeigte sich überzeugt, dass Vertreter der Kassen und der Pharmaindustrie "die Zeichen der Zeit" erkannt hätten. Auch die Pharmaindustrie müssen ihren Beitrag leisten, um zu niedrigeren Arzneimittelpreisen zu kommen. "Niemand hat einen Freibrief, wenn es um die Ausgaben in der Gesetzlichen Krankenversicherung geht."

Rösler kündigte an, in den nächsten Wochen ein Konzept mit Maßnahmen zur Arzneimittelpreisbildung vorlegen. Dabei würden sowohl Vertragsverhandlungen zwischen Krankenkassen und Pharmaherstellern als auch die Kosten-Nutzen-Bewertung eine wichtige Rolle spielen.

Unterdessen unterstrich der Chef des AOK-Bundesverbandes, Herbert Reichelt, die Bedeutung von Rabattverträgen als "wichtigem Instrument zur Ausgabenbegrenzung". Die Angriffe der Pharmaverbände gegen die Rabattverträge zeigten nur, "dass wir endlich ein wirkungsvolles Instrument haben, um die ausufernden Arzneimittelausgaben ohne Verlust an Qualität in den Griff zu bekommen", sagte Reichelt in Berlin. Sparvorschläge des Verbandes Pro Generika bezeichnete Reichelt als "reichlich durchsichtige Placebos, die Gewinne sichern sollen".

Die Pharmaindustrie versuche den Eindruck zu erwecken, als hätten die Krankenkassen mit den Rabattverträgen Unruhe in die Praxen und Apotheken gebracht. "Das Gegenteil ist der Fall", sagte Reichelt. Die AOK-Rabattverträge mit einer Laufzeit von zwei Jahren brächten für die Patienten eine deutliche Verbesserung. Der bei Generika sonst übliche ständige Medikamentenwechsel werde dadurch vermieden.

Der Verband Pro Generika hatte sich kurz vor Beginn des Pharmagipfels im Gesundheitsministeriums für ein Ende der Rabattverträge ausgesprochen. Diese seien ruinös und führten dazu, dass Hersteller ihre Präparate teils unter Herstellungskosten anbieten müssten. Dies zerstöre auf Dauer die Leistungs- und Innovationsfähigkeit der Branche.

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