Ärzte Zeitung online, 09.04.2010

Nuklid-Engpass spitzt sich offenbar zu

NEU-ISENBURG (nös). Der Engpass bei der Versorgung mit dem Radionuklid Technetium-99m spitzt sich offenbar zu. Über den gesamten Mai soll es nach Informationen von Nuklearmedizinern zu Lieferkürzungen und Ausfällen kommen.

Der auf dem deutschen Markt größte Lieferant von Technetium-Generatoren, Covidien, spricht von "gravierenden Engpässen". Um diese Situation abzufedern, rät das Unternehmen Ärzten, bei der Myokard- und Lungendiagnostik auf andere Isotope auszuweichen.

Verantwortlich für den zugespitzten Engpass sind zwei ausgefallene Reaktoren in den Niederlanden und Kanada. Wie es nun heißt, sollen beide Reaktoren frühestens im August wieder in Betrieb gehen. Im Mai soll zudem ein belgischer Reaktor für Wartungsarbeiten abgeschaltet werden. Weltweit stellen nur fünf Forschungsreaktoren Molybdän-99, das Ausgangsmaterial für die Technetium-Generatoren her.

Der Hersteller Covidien setzt inzwischen auf den Maria-Forschungsreaktor in Polen. Dieser sei allerdings nur in der Lage, die Lieferlücke "abzumildern".

Aus Kreisen der Nuklearmedizin wird immer deutlicher Kritik laut. Die Versorgungslage in Deutschland sei derzeit deutlich angespannt, heißt es etwa beim Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner (BDN). Kurzfristig sei keine Lösung in Sicht, die Engpässe, die sich seit einigen Jahren häufen, auszugleichen.

Eine Option könnte der Forschungsreaktor Garching II bei München sein. Dort könnte mit Umbaumaßnahmen Molybdän-99 hergestellt werden. Eine Machbarkeitsstudie aus dem letzten Jahr kam zu dem Ergebnis, dass mit rund fünf Millionen Euro Investitionskosten ab 2013 dort das Radionuklid hergestellt werden könnte.

Ob es dazu allerdings so schnell kommt, ist noch immer offen. Vergangene Woche gab es dazu eine Gespräch im Bundesgesundheitsministerium - jedoch ohne konkretes Ergebnis, wie aus informierten Kreisen zu hören war. Eine Stellungnahme des Ministeriums war bis Freitagnachmittag nicht zu erhalten.

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