Ärzte Zeitung, 14.04.2010

Krebsgesellschaft will Kassen für Studien nach Arzneizulassung mit ins Boot holen

Kassen beteiligen sich an Nachzulassungs-Studien, dafür gibt es Preisrabatt vom Hersteller: Dieses Geschäft auf Gegenseitigkeit schlägt die Deutsche Krebsgesellschaft vor.

KÖLN (iss). Krankenkassen sollten sich finanziell an wissenschaftlichen Studien zu bereits zugelassenen Arzneimitteln beteiligen, fordert der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft Dr. Johannes Bruns. Im Gegenzug müsste die pharmazeutische Industrie den Kassen einen Rabatt auf den Arzneimittelpreis einräumen, sagte Bruns auf der MCC-Fachkonferenz "Onkologie 2010" in Köln. Das könnte in die Preisverhandlungen zwischen Kassen und Pharmaindustrie eingebaut werden. "Über solche Rabattstudien können wir das Preisdumping und die Nutzensteigerung zusammenbringen", sagte er. Die Krankenkassen würden in eine langfristig effizientere Nutzung der Arzneimittel investieren.

Bei der häufig diskutierten Diskrepanz zwischen den Kosten von Arzneimitteln und dem nachgewiesenen Nutzen dürfe das Interesse nicht nur darauf abzielen, den Preis zu senken, forderte er. "Ich muss auch sehen, wie ich den Nutzen steigern kann, und das geht nur über Studien." Die Schnellbewertung des Nutzens von Medikamenten könnte ein Instrument sein, um das Preisniveau für Studien festzusetzen.

An vielen Studien, die von wissenschaftlichem Interesse sind, hätte die pharmazeutische Industrie nach der Zulassung kein Interesse. Man könne aber von den Kassen nicht verlangen, die Studien allein zu finanzieren. Für ein Engagement der Kassen müsste zunächst die gesetzliche Grundlage geschaffen werden.

Dreiseitige Verträge zwischen Kassen, Herstellern und Wissenschaftlern könnten dazu beitragen, dass es in Deutschland mehr Untersuchungen zum direkten Vergleich zwischen zwei Produkten gibt, sagte Bruns.

Um Europa zum innovationsstärksten Wirtschaftsraum zu machen, haben sich die EU-Mitgliedsstaaten im Jahr 2000 in Lissabon zum Ziel gesetzt, dass die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen sollen. "Das Lissabon-Ziel ist in Deutschland bisher immer unterschritten worden", erinnert der Generalsekretär.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wenn Alzheimer nach frisch gebackenem Brot riecht

Erst lässt der Geruchssinn nach, dann treten Phantosmien auf – ein US-Neurologe berichtet über seine beginnende Demenz, und weshalb die frühe Diagnose für ihn wichtig war. mehr »

Neuer Pflege-TÜV startet im November

Bislang ist der Pflege-TÜV mehr ein Ärgernis als eine Hilfe. Viel zu oft gibt es sehr gute Noten für Pflegeheime in Deutschland. Nun gibt es grünes Licht für eine Reform. mehr »

1,4 Millionen Krebstote für 2019 erwartet

In diesem Jahr könnten in der gesamten EU mehr Menschen an Krebs sterben als noch vor Jahren. Doch es gibt auch eine gute Entwicklung. mehr »