Ärzte Zeitung, 26.04.2010

EU-Parlament diskutiert über Arzneimittelfälschung

Eine Richtlinie zur Medikamentensicherheit steht zu Beginn kommenden der Woche auf dem Programm.

EU-Parlament diskutiert über Arzneimittelfälschung

Nach Erkenntnissen der EU-Kommission haben Arzneimitttelfälschung die Dimensionen wie Drogenhandel. © Vartan Nersisian / fotolia.com

BRÜSSEL (taf). Die jüngsten Fälle von Arzneimittelschwindel in deutschen Apotheken ruft das Europäische Parlament (EP) auf den Plan. Der EP-Gesundheitsausschuss wird am Dienstag über die Richtlinie zur Medikamentensicherheit abstimmen. "Wir beobachten seit geraumer Zeit einen wachsenden Anstieg von Arzneimittelfälschungen und haben Erkenntnisse, dass diese inzwischen eine Dimension wie der Drogenhandel erreicht haben", sagt Holger Krahmer, gesundheitspolitischer Sprecher der Liberalen im EU-Parlament, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Die EU-Richtlinie sieht vor, dass Verpackungen von Arzneimitteln mit einheitlichen Sicherheitsmerkmalen versehen werden. "Denkbar sind Barcodes, Seriennummern oder fälschungssichere Hologramme wie bei Geldscheinen", so Krahmer.

Nach Angaben der EU-Kommission werden jedes Jahr an den EU-Außengrenzen Millionen gefälschter Arzneimittel gefunden. So wurden zwischen 2005 und 2006 rund 2,7 Millionen Arzneien beschlagnahmt, was eine Steigerung der Fälle um 384 Prozent bedeutet. Die Dunkelziffer liegt noch höher, und die bisher bekannten Zahlen für 2007 und 2008 bestätigen den ansteigenden Trend.

Vor allem der Internethandel eröffnet den Fälschern eine schwer kontrollierbare Plattform. Unter den Top 10 gefälschter Internetarzneien rangieren aber nicht nur Potenz steigernde Mittel, sondern auch Krebstherapeutika.

"Eine absolute Sicherheit kann es nicht geben. Wirksam ist dies natürlich nur in der legalen Apotheke," betont FDP-Mann Krahmer. Patienten, die Medikamente aus dubiosen Quellen erwerben, könnten auch durch Sicherheitsgesetze nicht geschützt werden.

Sollte der Internethandel verboten werden? Dieser Forderung der deutschen Apotheker kommt die geplante EU-Richtlinie nicht nach. Die Richtlinie will die Fälschung bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln bekämpfen. Nicht verschreibungspflichtige Arzneien ebenso einbeziehen zu wollen, schießt nach Ansicht von Krahmer über das Ziel hinaus.

Nach dem Votum im Gesundheitsausschuss will das EU-Parlament im Juni entscheiden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Rätselhafter Demenz-Rückgang

Eine US-Studie deutet erneut auf eine fallende Demenz-Inzidenz, und zwar besonders in Geburtsjahrgängen ab 1925. Wisssenschaftliche Erklärungen für die Beobachtung fallen schwer. mehr »

Immuntherapie gewinnt an Stellenwert in der MS-Therapie

Die Therapieoptionen bei Multipler Sklerose (MS) haben sich erweitert. Neue Substanzen werden daher auch in die aktualisierten Leitlinien Einzug halten. mehr »

Polarisierung – Chance für das Parlament

Gesundheitspolitik in Zeiten der großen Koalition – das stand für die fehlende Konkurrenz der Ideen. Der Souverän hat die Polarisierung gewollt. Das ist eine Chance für die Demokratie. mehr »