Ärzte Zeitung, 28.04.2010

Ausgabenbremse für Arzneien auch in der PKV?

In der Koalition werden die Stimmen lauter, die nach einer Ausdehnung des Arznei-Sparpakets auf die private Krankenversicherung rufen.

BERLIN (hom). Aus der Union kommen Forderungen, auch in der privaten Krankenversicherung (PKV) zu Einsparungen im Bereich der Arzneimittelausgaben zu kommen. "Mir ist wichtig, dass wir uns nicht nur um die Finanzentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung, sondern auch um die der PKV kümmern", sagte der Arzneimittel-Experte der Unionsfraktion Michael Hennrich der "Ärzte Zeitung". Um das PKV-System "überlebensfähig" zu halten, müssten hier - wie in der GKV auch - "mehr Spielräume" für Kostendämpfung geschaffen werden.

Der CDU-Experte Jens Spahn sagte: "Es ist auch eine soziale Frage, dass wir die Entwicklung der Ausgaben bei der PKV in den Blick nehmen." Viele Pensionäre und Beamte mit niedrigeren Einkommen seien mit den "astronomischen Beitragssatzerhöhungen" der vergangenen Jahre überfordert, so Spahn.

Tatsächlich sieht sich die PKV mit steigenden Ausgaben für ärztliche Leistungen und Medikamente konfrontiert. Das bestätigt auch ein IGES/Rürup-Gutachten im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums (wir berichteten).

Das von Union und FDP geplante Arzneimittel-Sparpaket im GKV-Bereich könnte das Problem der überdurchschnittlichen Ausgabensteigerung in der PKV noch verschärfen, sagte Hennrich. Die Pharmaindustrie könne versuchen, Gewinneinbußen durch Preissteigerungen in der PKV zu kompensieren. Da es sich bei GKV und PKV um unterschiedliche Systeme handele, sei klar, dass die im Arzneimittel-Paket vorgesehenen Instrumente nicht "eins zu eins" auf den Bereich der PKV übertragen werden könnten. Bange vor Protesten der Industrie sei ihm nicht, betonte Hennrich. "Ich habe in erster Linie die Versicherten der PKV im Blick."

Die PKV hatte zuletzt ebenfalls gefordert, auch die etwa neun Millionen privat Versicherten müssten in den Genuss der von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) angekündigten höheren ArzneiRabatte kommen (wir berichteten).

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Regierung will faire Kassen-Wahl

16:51 UhrBundesgesundheitsminister Spahn wünscht mehr Wettbewerb zwischen den Krankenkassen. Mit einem neuen Gesetz will er das AOK-System umkrempeln. mehr »

Masern-Impfpflicht im Gespräch

Wird die Masern-Impfung bald Pflicht in Deutschland? Laut SPD befindet sich eine solche Vorlage in Abstimmung mit dem Gesundheitsminister. Die Grünen sind skeptisch. mehr »

Wut und Ärger können Schlaganfälle begünstigen

Menschen, die sich häufig aufregen, sind gefährdeter für Schlaganfälle, zeigen Studien. Das gilt aber nicht für alle. Es spielt womöglich der Status eine Rolle, so eine Analyse. mehr »