Ärzte Zeitung online, 11.05.2010

Angelhaken aus der Hose gegen Arzneifälschungen

BERLIN (cw). Seit Jahren bemüht sich die Apothekerschaft, mit dem Hinweis auf dubiose Online-Offerten auch den legalen Arzneimittelversand zu diskreditieren und in die Nähe des Fälschergeschäfts zu rücken. Eine sachliche Kampagne, um Patienten und Verbraucher zu informieren, wie sie online seriöse Internetapotheken erkennen können, hat es bislang jedoch nicht gegeben. Das soll sich jetzt ändern.

Angelhaken aus der Hose gegen Arzneifälschungen

Provokant, amüsant: Der Infoflyer des Informationszentrums über Fälschungen von Arzneien gegen die erektile Dysfunktion. © ISG

Da Angebot und Nachfrage gefälschter Medikamente besonders häufig Potenzmittel betrifft, hat sich jetzt das Freiburger Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit (ISG) dieser Problematik angenommen. Mit finanzieller Unterstützung der Pharmaunternehmen Lilly, Pfizer und Janssen-Cilag startete das ISG Anfang Mai eine Awareness-Kampagne mit dem Claim "Angeln Sie sich keine Arzneimittelfälschungen".

Das Key-Visual zeigt einen überdimensionierten Angelhaken, der aus einer Männerhose schaut. Die Kampagne läuft über ein YouTube-Video und eine Website (www.faelschungs-sicher.de), als auch über Poster und Flyer in Arztpraxen und Apotheken. Ärzte und Apotheker könnten das Material versandkostenfrei bei der ISG anfordern, sagte ISG-Geschäftsführerin Sabine Pirnay-Kromer beim Kongress des Versandapothekenverbandes BVDVA Ende voriger Woche in Berlin.

In den Broschüren wird auf typische Sicherheitsmerkmale von Arzneimittelpackungen hingewiesen, auf die generelle Rezeptpflicht für Potenzmittel oder auch auf das DIMDI-Register zugelassener Versandapotheken sowie dessen interaktives Logo.

Dass Potenzmittel von Produktpiraterie besonders betroffen sind, habe zwei Gründe, so Sabine Pirnay-Kromer: "Da diese Medikamente relativ hochpreisig sind, suchen viele Patienten nach der Erstverordnung nach Möglichkeiten, billiger an diese Präparate heranzukommen". Der zweite Grund, Medikamente relativ anonym im Internet zu bestellen, sei Scham. "Viele Männer, die unter Erektionsstörungen oder Vorzeitigem Samenerguss leiden, trauen sich nicht, mit ihrem Arzt über das Problem zu sprechen".

Doch auch der Kauf in einer öffentlichen Apotheke stelle für Viele eine schier unüberwindliche Hürde dar, so die ISG-Geschäftsführerin weiter. "Sie wollen nicht, dass irgendjemand von ihrem Problem erfährt, ob es nun das Apothekenpersonal ist oder auch andere Apothekenkunden, die gerade zufällig daneben stehen."

Poster und Broschüren zur Kampagne "Angeln Sie sich keine Arzneimittelfälschungen":

Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit (ISG)
Geschäftsstelle
c/o Uniklinik Freiburg
Hugstetterstr. 55
79106 Freiburg
www.faelschungs-sicher.de

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