Ärzte Zeitung, 14.05.2010

PKV will mehr Einfluss bei Arzneipreisen

Verband fordert ein im Gesetz verankertes Verhandlungsmandat / GKV-Spargesetz vergrößert Preisabstand

KÖLN (iss). Die privaten Krankenversicherer (PKV) lassen nicht locker. Sie fordern von der Politik einen stabilen Rahmen für Verhandlungen mit der Pharmaindustrie. "Es ist nicht einzusehen, warum Privatversicherte für Arzneimittel deutlich höhere Preise bezahlen müssen", sagte PKV-Verbandsdirektor Dr. Volker Leienbach der "Ärzte Zeitung".

Die Ausgaben im Arzneimittelbereich steigen in der PKV deutlich stärker als in der GKV. Kostendämpfungsinstrumente wie der sechsprozentige Herstellerrabatt greifen bei den Privaten nicht. "Wenn der Herstellerrabatt auf 16 Prozent steigt, wird die Diskrepanz noch größer", so Leienbach. Der Apothekenabschlag führe dazu, dass Privatversicherte pro Arzneimittelpackung 2,30 Euro mehr bezahlen müssen als Kassenpatienten. Das sei nur schwer zu begründen. "Die Privatpatienten sind die einzigen, die ihre Medikamente in der Apotheke bar bezahlen."

Zwar gebe es auf freiwilliger Basis einzelne Rabattverträge zwischen Pharma-Herstellern und Versicherern, ihr Volumen sei aber im Vergleich zu denen in der GKV nur sehr bescheiden. "Das liegt nicht an unserem Verhandlungsgeschick, sondern daran, dass wir nichts in der Hand haben", sagte der Verbandsdirektor. Das müsse sich endlich ändern.

Die PKV möchte, dass ihr Verhandlungsmandat und ein Einigungszwang im Arzneimittelgesetz festgeschrieben werden. Dafür gebe es aus Reihen der Regierungskoalition Zustimmung, betonte Leienbach. Auch die Beihilfeträger hätten Interesse daran, dass die PKV die Kostenentwicklung in den Griff bekommt.

Mit ihren Forderungen will die Branche verstärkt in die Öffentlichkeit gehen. Gleichzeitig suche sie das Gespräch mit der Pharmaindustrie, sagt er. Die nächste Gelegenheit, ihre Position darzustellen, haben die PKV-Vertreter am 19. Mai bei der Anhörung zum GKV-Änderungsgesetz im Bundesgesundheitsausschuss.

Die ungleichen Arzneimittelpreise unterstreichen für Leienbach auch den Handlungsbedarf in einem weiteren Feld: Nach Paragraf 192, Absatz 2 Versicherungsvertragsgesetz müssen die PKV-Unternehmen nur dann nicht bezahlen, wenn die Kosten in einem "auffälligen Missverhältnis" zu den erbrachten Leistungen stehen. "Das heißt ja im Klartext, dass wir bei einem Missverhältnis zahlen müssen", kritisiert Leienbach. Die PKV werde weiter gegen diese Regelung vorgehen, kündigt er an.

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