Ärzte Zeitung online, 17.06.2010

Glitazone und Glinide nicht mehr auf Kassenkosten

BERLIN (chb). Glinide und Glitazone zur Behandlung von Patienten mit Typ-2-Diabetes dürfen nur noch in Ausnahmefällen zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden.

Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) am Donnerstag entschieden. Diabetes-Patienten mit schweren Nierenfunktionsstörungen darf allerdings der Wirkstoff Repaglinid weiter verschrieben werden.

Der GBA sah bei Gliatzonen durch Studien ein deutliches Schadenspotential belegt. Die Behandlung mit Glitazonen könne zu Knochenbrüchen und gravierender Herzschwäche führen, so der GBA. Für die Glinide sah der GBA keinen "Nutzennachweis in Form evidenzbasierter klinischer Studien".

Vor der Entscheidung des GBA hatte der Arzneimittelexperte Dr. Jürgen Bausch im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" einen möglichen Ausschluss der beiden Wirkstoffe aus dem Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen kritisiert. Ein solcher Ausschluss widerspreche den Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission der Ärzteschaft von 2009 sowie den Therapierichtlinien der deutschen Diabetes Gesellschaft von 2008 und der Position des NICE, so Bausch.

Um ausreichend Gelegenheit zur medikamentösen Umstellung zu geben, hat sich der GBA auf eine angemessene Frist (ein Quartal) bis zum Inkrafttreten der Beschlüsse nach der Nichtbeanstandung durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) verständigt.

Weitere Informationen auf der Website des GBA

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