Ärzte Zeitung online, 02.08.2010

Preisschaukel drückt den Zwangsrabatt

BERLIN (eb). Seit Sonntag gelten die jüngsten Arzneimittel-Spargesetze. Doch nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hat die Industrie eine Gesetzeslücke gefunden, mit der sie den Zwangsrabatt umgehen kann.

Preisschaukel drückt den Zwangsrabatt

Erst anheben und dann wieder reduzieren: Offenbar lässt sich Zwangsrabatt für Arzneimittel durch eine Gesetzeslücke umgehen.

© imagebroker / imago

Mitte Juli hätten einige Hersteller die Preise für manche ihrer Präparate kurzfristig erhöht, schreibt das Magazin. Pünktlich zum 1. August seien die Preise dann wieder auf den vorherigen Wert gesenkt worden. Durch diese "Preisschaukel" soll laut "Spiegel" der Arznei-Zwangsrabatt von 16 Prozent geringer ausfallen. Das Gesetz sehe nämlich vor, dass Preissenkungen vor dem 1. August auf den Zwangsrabatt angerechnet werden. Betroffen seien jedoch nur Präparate außerhalb der Festbetragsgruppen.

Genannt werden in dem Bericht vier Präparate: ein monoklonaler Antikörper, ein Wachstumshormon, ein Bisphosphonat und eine Lipidemulsion zur parenteralen Ernährung. Die Preise aller Präparate seien um rund zehn Prozent angehoben und anschließend wieder auf den Wert zuvor gesenkt worden.

Laut dem Bericht denkt man im Bundesgesundheitsministerium nun über eine Nachbesserung nach. Der Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Stefan Kapferer, wird mit den Worten zitiert: "Sollten wir feststellen, dass eine relevante Zahl von Unternehmen die Preisschaukel missbräuchlich nutzt, müssen wir das Gesetz noch einmal ändern."

Lesen Sie dazu auch:
Arznei-Spargesetze passieren Bundestag und Länderkammer

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Kinderschutzhotline - Heißer Draht zu Ärzten

Über den Verdacht auf Kindesmissbrauch sprechen, ohne die Schweigepflicht zu verletzen: Das ermöglicht seit 2017 die Medizinische Kinderschutzhotline - eine Zwischenbilanz. mehr »

Hypertonie vor 40. Lebensjahr ist riskant

Junge Erwachsene, die einen erhöhten Blutdruck gemäß den US-amerikanischen Leitlinien von 2017 entwickeln, haben ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Normotoniker. mehr »

Computervirus legt Klinik lahm

Das bayerische Klinikum Fürstenfeldbruck ist von einem Computervirus lahmgelegt worden. Es hatte sich daher auch von der Integrierten Leitstelle des Landkreises abgemeldet und nur dringende Notfälle aufgenommen. mehr »