Ärzte Zeitung, 22.11.2010

Kommentar

Der bevormundete Patient

Von Helmut Laschet

Wieder einmal wird er wortreich beschworen: der "mündige Patient", der in Sachen der persönlichen Gesundheit autonom sein soll und deshalb auch Zugang zu soliden medizinischen Informationen haben muss.

Und die Wirklichkeit? Über Jahre hinweg ist auf europäischer Ebene zäh darüber gerungen worden, ob und wie der Austausch von Informationen über Arzneimittel vom Arzneimittelhersteller zum Patienten gestaltet sein soll. Die bisherige Rechtslage untersagt den Unternehmen sogar die Publikation des Beipackzettels - immerhin eine amtlich genehmigte Information - im Internet.

Als warnendes Beispiel wurden immer wieder die USA angeführt, die 1997 die Direktwerbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel beim Endverbraucher erlaubt haben. Doch dies war in Europa nie intendiert.

Worüber das Europäische Parlament am Mittwoch entscheidet, ist eine vorsichtige Liberalisierung der Informationsrechte von Patienten und der Informationsmöglichkeiten der Industrie. Aber unter staatlicher Aufsicht. Was die Gesundheit angeht, gilt entgegen der deutschen Verfassung: Eine Zensur findet doch statt.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Darf der Beipackzettel bald auch auf Deutsch ins Netz?

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[23.11.2010, 17:48:33]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie doch mal in der Klinik den Stationsarzt oder den Krankenhausapotheker"
Eine "Liberalisierung der Informationsrechte von Patienten" ist wirklich zu unterstützen. Gerade der Zugang von stationären Patienten zu in den Beipackzetteln veröffentlichten Arzneimittelinformationen ist extrem schlecht.

In meiner Hausarztpraxis fallen viele Patienten aus allen Wolken, wenn sie bei der Folgeverordnung von im Krankenhaus erhaltenen Medikamenten erstmalig in den Beipackzetteln "zu Risiken und Nebenwirkungen lesen...", zu denen sie die Krankenhauskollegen/-innen niemals fragen durften. zum Beitrag »

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