Ärzte Zeitung online, 10.02.2011

vfa-Hauptgeschäftsführerin Cornelia Yzer geht zum 1. Juni

BERLIN (hom). Die Hauptgeschäftsführerin des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa), Cornelia Yzer, legt zum 1. Juni 2011 ihr Amt nieder. Das teilte der vfa am Donnerstag in Berlin mit.

vfa-Hauptgeschäftsführerin Cornelia Yzer geht zum 1. Juni

Cornelia Yzer verlässt den vfa, nicht ganz überraschend.

© Mandy Heindke

Yzer erklärte, sie wolle sich nach "15 arbeitsintensiven und spannenden Jahren" einer "neuen Herausforderung" stellen. Wer Yzer im Amt als vfa-Hauptgeschäftsführerin folgen soll, steht noch nicht fest. Die Personalie werde "demnächst" entschieden, hieß es.

Der vfa gilt als einer der einflussreichsten Wirtschaftsverbände im deutschen Gesundheitswesen. Er vertritt die Interessen von 44 weltweit führenden Pharmaunternehmen, die gut zwei Drittel des gesamten deutschen Arzneimittelmarkts abdecken und mehr als 90.000 Mitarbeiter beschäftigen.

Der Rücktritt von Yzer kommt nicht ganz überraschend. Seit Monaten wird bereits spekuliert, Yzer werde ihr Amt wegen anhaltender Kritik am Kurs des Verbands niederlegen. Branchenvertreter werfen ihr vor, die Interessen der Pharmaindustrie während des Gesetzgebungsverfahrens zum umstrittenen Arzneimittelneuordnungsgesetz (AMNOG) der schwarz-gelben Koalition nicht ausreichend genug vertreten zu haben. Auch habe Yzer offenbar zu lange darauf vertraut, dass ein FDP-geführtes Bundesministerium für Gesundheit sich nicht mit der Pharmaindustrie "anlegen" werde.

Die Arzneimittelreform, die zum 1. Januar 2011 in Kraft getreten ist, sieht eine Reihe von Neuerungen vor, die Vertretern der Pharmabranche quer im Bauch liegen. Dazu gehört insbesondere die Einführung einer schnellen Nutzenbewertung für neu auf den Markt kommende Präparate. Nur wenn der Hersteller binnen einer Frist von drei Monaten den Zusatznutzen des neuen Medikaments im Vergleich zu bereits auf den Markt befindlichen Präparaten nachweisen kann, kann er mit den Krankenkassen über einen Preis verhandeln. Ansonsten "rutscht" das Medikament in die Festbetragsgruppe (wir berichteten).

Bislang konnte der Hersteller den Preis selber bestimmen, die Krankenkassen zahlten ihn. Die Koalition will dem ein Riegel vorschieben. Sie verspricht sich von ihrer Reform Milliardeneinsparungen im Arzneimittelbereich. Vor Inkrafttreten des AMNOG hatte die Koalition die Pharmaindustrie bereits zu "Zwangsrabatten" und "Preismoratorien" gesetzlich verpflichtet, um so die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zu entlasten (wir berichteten).

Die Pharmahersteller hatten gegen diese Eingriffe, vor allem aber gegen die schnelle Nutzenbewertung neuer Medikamente, bis zuletzt Front gemacht. Sie befürchten dadurch negative Auswirkungen für den Pharmastandort Deutschland. Die Unternehmen könnten vor Investitionen in innovative Therapien zurückschrecken und infolgedessen ihre Leitfunktion für den europäischen Pharmamarkt verlieren.

vfa-Vorsitzender Wolfgang Plischke dankte Yzer für deren "langjährige, außerordentlich erfolgreiche Arbeit an der Spitze des Industrieverbandes". Yzer habe die Interessen der Pharmaindustrie "sowohl national als auch international stets mit hoher Kompetenz, Durchsetzungsvermögen und Tatkraft" vertreten, betonte Plischke.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Tumorpatienten bei Schmerztherapie unterversorgt

Viele Krebskranke erhalten keine adäquate Schmerztherapie. Das hat eine erste Analyse der Online-Befragung "PraxisUmfrage Tumorschmerz" ergeben. mehr »

ADHS-Arznei lindert Apathie bei Alzheimer

Eine Therapie mit Methylphenidat kann die Apathie bei Männern mit leichter Alzheimerdemenz deutlich zurückdrängen. mehr »

Zehn Jahre "jünger" durch Sport

Wer Sport treibt, ist motorisch gesehen im Schnitt zehn Jahre jünger als ein Bewegungsmuffel. mehr »