Ärzte Zeitung online, 16.02.2011

Mit Arzneiblistern gegen Pflegekräftemangel

Apotheken und Blisterzentren könnten dem drohenden Pflegekräftemangel entgegenwirken und zur Verbesserung der Arzneiversorgung in der stationären Pflege beitragen.

KÖLN (run). Bei einer vom Bundesverband Patientenindividueller Arzneimittelverblisterer e.V. (BPAV) in Auftrag gegebenen Studie untersuchten das Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) die Versorgungsprozesse mit fester oraler Dauermedikation in 40 stationären Pflegeheimen.

Bei der schriftlichen Befragung wurde unter anderem der Zeitaufwand des Heimpersonals bei der Abgabe verblisterter und unverblisterter Arzneien ermittelt. Insgesamt 204 Fragebögen lagen zur Auswertung vor.

Den 14 Arbeitsschritten im Heim bei herkömmlicher Arzneiversorgung - von Überprüfung der Arzneivorräte und Rezeptbestellung bis hin zur Verabreichung an den Patienten - stellten die Forscher in ihrer Prozessanalyse nur noch fünf notwendige Schritte bei einer Verblisterung gegenüber.

So könnten Vorratsüberprüfung, Rezeptbeschaffung und -prüfung auf die Apotheke und das Arzneimittelstellen in Blistern auf ein Blisterzentrum ausgelagert werden. Einige Zwischenschritte wie Beschriftung oder Vorbereitung der Dosiersysteme könnten im Heim ganz entfallen.

Durch die Auslagerung ergibt sich nach den Berechnungen des IFH eine Zeitersparnis von wöchentlich knapp 15 Minuten je Heimbewohner. So seien für den gesamten Arzneiabgabeprozess im Heim nur noch drei statt 18 Minuten nötig.

Als weitere Vorteile nennen die Studienautoren, dass Fehler bei der Arzneimittelgabe minimiert, Wechsel- und Nebenwirkungen leichter erkannt sowie Unter- und Überdosierungen vermieden werden könnten. Für das Pflegepersonal schaffe die Auslagerung zudem Freiräume für die Pflege am Patienten.

Die Zeitersparnis ermögliche aber auch, den Personalkostenaufwand zu reduzieren und zwar wöchentlich um im Durchschnitt 4,42 Euro pro Bewohner. Bezogen auf derzeit rund 700.000 Pflegebedürftigen in der stationären Pflege in Deutschland ermittelt die Studienautoren ein Auslagerungspotenzial von rund 160 Millionen Euro pro Jahr.

Um den Anreiz für eine Auslagerung des Rezeptmanagements und des Arzneimittelstellens in Apotheken und Blisterzentren zu erhöhen, sei es allerdings auch nötig, die Vergütung der ausgelagerten Tätigkeiten, also ein Honorar für Apotheken und die von diesen beauftragten Blisterzentren zu regeln, so die Studienautoren.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

15:47Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »