Ärzte Zeitung online, 04.03.2011

Erstattungsausschluss für Blutzucker-Teststreifen?

BERLIN (eb). Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) will offenbar die Erstattungsfähigkeit von Blutzuckerteststreifen bei Typ-2-Diabetikern stark einschränken.

Erstattungsausschluss für Blutzucker-Teststreifen?

BZ-Teststreifen: Erstattungsausschluss für nichtinsulinpflichtige Typ-2-Diabetiker?

© suedraumfoto / imago

Das will zumindest die Nachrichtenagentur dapd aus einer entsprechenden Beschlussvorlage des Gremiums erfahren haben.

Demnach sollen GKV-Versicherte mit einem Typ-2-Diabetes, "die nicht mit Insulin behandelt werden", die Teststreifen nur noch in Ausnahmefällen von ihrer Kasse erstattet bekommen.

Wie es weiter heißt, soll diese Verordnungsbeschränkung bereits am 17. März vom GBA beschlossen werden. Grund für das Votum seien fehlende wissenschaftliche Belege, die den Nutzen der Teststreifen belegten.

[04.03.2011, 16:48:58]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Glucose-Teststreifendrama des G-BA
"Fehlende wissenschaftliche Belege, die den Nutzen der Teststreifen belegten", ließ der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) der Ärzte und Krankenkassen verlauten: Für wie dumm sollen wir Ärztinnen und Ärzte denn verkauft werden? Warum messen wir wohl den Blut-Glucosespiegel und den HbA1c bei unseren DMP Diabetes Typ 1 + 2 Patienten regelmäßig in der Praxis? Und die Kliniken machen BZ-Tagesprofile! Weil das zu Hause, vom Patienten selbst gemessen, nicht wissenschaftlich genug ist?

Ist es eventuell an der Zeit, dass der G-BA, mit Dr. jur. Rainer Hess als Vorsitzenden, regelmäßig ein 'geriatrisches Basisassessment' durchlaufen müsste, b e v o r eine Beschlussvorlage erörtert werden kann? Kann hier jemand vor lauter 'Vergreisungstendenzen' nicht mehr zwischen Auf-, Ab- und Zurücktreten unterscheiden?

Die Nachrichtenagentur dapd berichtet weit ausführlicher als der ÄZ-Artikel hier, dass der Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Gerd Glaeske, Ökonom an der Bremer Uni, sich zum deutschen Ober-Diabetologen aufschwingt. Er sekundiert dem G-BA, dessen bisherige Entscheidungen nur zu oft von unseren Gerichten kassiert wurden. Mit seinem Hinweis "auf die Situation in vielen europäischen Nachbarländern", wo "die Teststreifen für nicht insulinpflichtige Diabetiker schon seit längerem nicht mehr als Kassenleistung abgerechnet werden können", erweist er dem G-BA einen Bärendienst: Das gilt nämlich besonders für die Länder Europas, die gar keine mit unserer GKV vergleichbaren Krankenversicherungssysteme haben. Und Herr 'Kollege' Glaeske müsste wissen, dass in der GKV die vertragsärztlich verordneten Glucose-Teststreifen in unser GKV- M e d i k a m e n t e n b u d g e t einfließen. Scheint es evtl. 'wissenschaftlich erwiesen', dass ein Herunterschlucken von benutzten Teststreifen die Diabetesbilanz verbessern könnte?

Man kann dem Bundesvorsitzenden des Deutschen Diabetiker Bundes (DDB), Dieter Möhler, nur zustimmen, wenn er von "Irrsinn und Medizin der 70er Jahre, in die der Patient vom G-BA gedrängt" werde, spricht. Aber vermutlich möchte uns der G-BA und sein Vorsitzender Dr. Hess noch weiter in eine Zeit zurückbeamen, in der die Erde noch für eine Scheibe gehalten wurde und Ärzte nur Halbgötter oder Scharlatane waren!

Freundliche, kollegiale Grüße, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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