Ärzte Zeitung online, 18.03.2011

Birgit Fischer ist für den vfa ein Richtungswechsel

BERLIN (cw). Mit dem Engagement von Birgit Fischer als neuer Hauptgeschäftsführerin des vfa vollzieht der Verband forschender Arzneimittelhersteller auch einen Richtungswechsel.

Mit Birgit Fischer erhält der vfa einen Richtungswechsel

Birgit Fischer: Von der Barmer GEK zum vfa.

© Frank Ossenbrink

Die SPD-Politikerin, ehemals Gesundheitsministerin von Nordrhein-Westfalen im Kabinett Clement und amtierende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK ist in Kassenkreisen hoch angesehen und ausgezeichnet vernetzt. Sie gilt unter anderem als Expertin für Prävention, Patientenrechte und Integrierte Versorgung.

Geradezu ideale Voraussetzungen also angesichts der Herausforderungen, vor die das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) insbesondere die forschenden Firmen stellt.

Denn Preisverhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband ebenso wie die Option auf Vertragspartnerschaft bei Integrations-Projekten machen es unvermeidlich, stärker als in der Vergangenheit partnerschaftliche Beziehungen zur GKV aufzubauen und zu pflegen.

Auf deren Management-Etagen werden Industrievertreter freilich noch immer argwöhnisch beäugt, gilt "Big Pharma" doch pauschal als an Kassen-Problemen nicht, sondern nur am Absatz eigener Produkte interessiert.

Mit Birgit Fischer an der Spitze kann der vfa glaubwürdig um Vertrauen werben. "Die Rolle der Industrie" sei im Gesundheitswesen "wichtig, oft nicht anerkannt aber auch nicht immer hilfreich und konstruktiv", schreibt Fischer in einer Hausmitteilung anlässlich ihres Wechsels zum vfa. Sie wolle sich künftig dafür einsetzen, "gemeinsam Problemlösungen zu erzielen".

Auch stilistisch steht die eloquente, stets charmant wirkende Diplom-Pädagogin für einen Richtungswechsel. An Fischers Vorgängerin Cornelia Yzer rührte sich im Verband schon länger Kritik.

Neben Personalquerelen in der Berliner Geschäftsstelle war vielen vor allem die mediale Performance Yzers ein Dorn im Auge. Vor der Kamera wirkte die einstige CDU-Staatssekretärin chronisch schlecht gelaunt, intern wurde ihr rigides Freund-Feind-Denken vorgeworfen.

Als Trennungsgrund nach 15 Jahren wurde schließlich kolportiert, Yzer habe die Interessen der Industrie während des AMNOG-Gesetzgebungsverfahrens nicht nachdrücklich genug vertreten.

Offenbar habe sie zu lange darauf vertraut, dass ein FDP-geführtes Gesundheitsministerium sich nicht mit der Pharmaindustrie "anlegen" werde.

Lesen Sie dazu auch:
Barmer GEK-Chefin Fischer wechselt an die vfa-Spitze

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[19.03.2011, 15:21:37]
Reinhard Schmidt 
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Frau Fischer zeichnete sich schon bisher in der BEK damit aus, dass sie nicht mitmachte, wenn es darum ging, die Arzneiausgaben zu reduzieren. So haben z.B. die Kassen u.a. die Apotheken verpflichtet, auf wirtschaftlichere Blutzuckerteststreifen umzustellen. Dadurch lassen sich bundesweit bis zu 200 Mio. € jährlich einsparen. Geld - das so oft für die Behandlung fehlt. Alle Ersatzkassen machen mit - außer die BEK. jetzt wird klar warum!  zum Beitrag »

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