Ärzte Zeitung online, 18.03.2011
 

G-BA beschließt Ausschluss für Zucker-Teststreifen

BERLIN (dpa). Nicht-insulinpflichtige Typ-2-Diabetiker bekommen wohl demnächst Teststreifen zum Selbstmessen des Blutzuckers grundsätzlich nicht mehr auf Kosten der Krankenkassen.

Für die betroffenen Patienten habe die Methode keine Vorteile, begründete der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) seinen Beschluss am Donnerstag in Berlin.

Diabetiker, die Insulin per Spritze oder Pumpe nehmen, bekommen die Streifen gemäß der Entscheidung dieses Spitzengremiums im Gesundheitswesen weiter auf Kassenrezept.

Nur Patienten, die die Krankheit mit der Einnahme von Medikamenten in den Griff bekommen, sollen die Teststreifen demnach in der Regel nicht mehr verschrieben bekommen.

Ein alle paar Wochen vom Arzt gemessener Wert zur längerfristigen Blutzuckereinstellung sei besser und reiche aus. Ausnahmen können Ärzte bei Patienten mit instabiler Stoffwechsellage machen.

Es geht um einen Markt von insgesamt 900 Millionen Euro im Jahr allein bei den gesetzlichen Kassen. In den vergangenen Jahren hatten sich die Streifen rasant verbreitet.

Das Bundesgesundheitsministerium kann den Beschluss noch beanstanden. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hatte einschlägigen Studien zum Thema ausgewertet.

Sie kamen zu dem Ergebnis, "dass sich ein Nutzen der Blutzuckerselbstkontrolle durch die verfügbaren Studien nicht belegen lässt".

Ein Sprecher des GKV-Spitzenverbandes sagte: "Die Blut- und Urinzuckerselbsttestung nützt vor allem den Herstellern solcher Teststreifen." Der Deutsche-Diabetiker-Bund hatte angekündigt, Musterklagen gegen die Streichung der Streifen vom Kassenkatalog zu unterstützen.

[18.03.2011, 08:39:07]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Ausschluss von Blutglucose-Teststreifen für Typ 2 Diabetiker durch den GBA kontraproduktiv!
Ich habe an den verantwortlichen G-BA, den Spitzenverband Bund der GKV, das IQWiG und den Deutschen Diabetiker Bund meinen Protest formuliert:

"Hiermit protestiere ich gegen Ihre Entscheidung, Blutglucose-Teststreifen bei Typ 2-Diabetikern von der Erstattungspflicht in der GKV auszunehmen. Bei den von Ihnen zur Begründung herangezogenen Studien konnte es gar nicht um Morbidität und Mortalität gehen, weil diese Endpunkte nur durch die ärztliche Therapie, den Lebensstil der Patienten/-innen und sonstige soziale bzw. medizinische Maßnahmen beeinflusst werden.

Es ist völlig unlogisch und abwegig, dass Teststreifen, die extrakorporal Laborparameter wiedergeben, irgendeine direkte intrakorporale metabolische Auswirkung mit sekundärer Beeinflussung von Morbidität und Mortalität haben könnten. Medizinisch ausgewertete Blutglucose-Daten, die unter Alltagsbedingungen gewonnen werden, haben einen entscheidenden Einfluss auf das therapeutische, diätetische und flankierende Management bei j e d e r Form der Diabeteserkrankung. Erst die dadurch gesteuerte, differenzierte, individualisierte Therapie mit Medikation, Diätetik und Aktivierung der Patienten im G e f o l g e des Blutglucose-Monitorings beeinflussen Morbidität und Mortalität.

Ich bitte um eine Stellungnahme Ihrerseits.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Thomas G. Schätzler
Facharzt für Allgemeinmedizin"

Und außerdem, an die Leserinnen und Leser der ÄZ: Wenn 900 Mio. Euro jährliche GKV-Kassenleistung nur für Teststreifen erbracht werden, sind das 25,7 Mio. Packungen á 35 Euro. Sie stellen einen jährlichen Verbrauch von 1,286 M i l l i a r d e n Glucose-Teststreifen zu Lasten der GKV dar. Zusätzlich werden angeblich noch weitere 429 Mio. Teststreifen privat gekauft. Dann ist es nur konsequent für die GKV-Kassen, den G-BA und die KBV: Macht die Glucose-Teststreifen billiger und produziert sie in Eigenregie!

Und wenn die "Kollegen" des G-BA, der GKV, der KBV und der BÄK zwischen dem Disaccharid Zucker=Saccharose (Sucrose) und dem Monosaccharid Glucose zu differenzieren gelernt haben, kann ich nur Altbundeskanzler, Dr. jur. Helmut Kohl, zitieren, was Sie dann Alle dürfen:
"You can say You to me".

Freundliche, kollegiale Grüße, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »

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