Ärzte Zeitung online, 18.04.2011

Citalopram und Escitalopram müssen in gemeinsame Festbetragsgruppe

BERLIN (cw). Enttäuschung bei Lundbeck: Das Bundesgesundheitsministerium hat den Beschluss des GBA, eine gemeinsame Festbetragsgruppe für das generische Antidepressivum Citalopram und das noch patentgeschützte Escitalopram zu bilden, nun doch unbeanstandet passieren lassen.

Mitte Februar veröffentlichte der Gemeinsame Bundesausschuss den Beschluss, eine gemeinsame Festbetragsgruppe für die beiden selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer zu bilden, da kein evidenzbasierter Beleg für einen therapeutisch relevanten Zusatznutzen von Escitalopram gegenüber Citalopram vorliege.

Das BMG wollte diesen Befund zunächst nicht akzeptieren und erbat Mitte März weitere Informationen. Insbesondere wollte das Ministerium wissen, ob und inwieweit der Ausschuss die gleichen Maßstäbe wie das IQWiG bei einer Bewertung von Antidepressiva vor zwei Jahren angewandt habe.

In der fraglichen Referenz hatte das IQWiG anhand der patientenrelevanten Endpunkte Response und Remission den Nutzen von Reboxetin® angezweifelt, den von Bupropion und Mirtazapin aber bestätigt.

In seiner Antwort vom 12. April betont der GBA, die Zielgrößen Response und Remission nicht infrage zu stellen. Allerdings zeigten die Studienergebnisse zu Escitalopram "insgesamt eine starke Inkonsistenz". Der primäre Endpunkt "Verbesserung der Depressionssymptomatik" erreiche "keine klinische Relevanz". Die "Heterogenität der Studienergebnisse" sei hoch.

Zudem, so führt der GBA jetzt ergänzend an, fehle ein dosisäquivalenter Vergleich zwischen Citalopram und Escitalopram. Citalopram werde durchweg nicht bis zur zugelassenen Höchstdosis eingesetzt, "während dies für Escitalopram der Fall ist", heißt es. Die fehlende Dosisäquivalenz im vorhandenen Studienmaterial verschiebe die Testergebnisse aber "tendenziell zugunsten von Escitalopram".

Das Bundesgesundheitsministerium hat sich mit dieser Erklärung nun zufrieden gegeben und auf eine Beanstandung des GBA-Beschlusses verzichtet. Damit kann eine gemeinsame Festbetragsgruppe für das generische Citalopram und das noch patentgeschützte Escitalopram gebildet werden.

Nicht nur beim Hersteller Lundbeck, sondern auch in medizinischen Fachkreisen stößt das GBA-Urteil auf Unverständnis. Das internationale Wissenschaftler-Netzwerk Cochrane Collaboration und viele staatliche Bewertungsinstitutionen, etwa in Kanada, Frankreich, Spanien oder Schweden, anerkennen den Zusatznutzen von Escitalopram und bewerten das Antidepressivum als First-Line-Therapie gegen Depressionen.

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