Ärzte Zeitung online, 01.06.2011

Neue Rabattverträge starten nicht ganz sorgenfrei

Die AOK geht nach wie vor von einer reibungslosen Umsetzung der neuen Rabattverträge aus, die zum 1. Juni an den Start gegangen sind. Der Pharmaverband Pro Generika plädiert indes für künftig längere Übergangsfristen bis zum Inkrafttreten neuer Rabattverträge.

Von Ruth Ney

NEU-ISENBURG . "Die AOKs haben starke und zuverlässige Vertragspartner. Wir gehen daher grundsätzlich davon aus, dass die Arzneimittel unserer Vertragspartner ab 1. Juni in den Apotheken zur Verfügung stehen", betont Dr. Christopher Hermann, Chefverhandler für die bundesweiten Rabattverträge und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg.

Einzelne Ausfälle scheint es hingegen dennoch zu geben. Nach ersten Meldungen könnte es zum Beispiel Lieferengpässe beim Antidiabetikum Metformin des Herstellers Dexcel geben, da die Produktion in Indien noch nicht voll angelaufen. Grund ist die kurze Zeitspanne zwischen Zuschlag und Vertragsbeginn bedingt durch juristische Anfechtungen der Rabattverträge.

"Ohne Rechtssicherheit ist es aber unter kaufmännischen Gesichtspunkten nicht möglich, unsere Produktion deutlich anzukurbeln und dann unter Umständen auf den Arzneimitteln sitzen zu bleiben", so Dexcel-Geschäftsführer Dr. Mathias Pietras zur "Ärzte Zeitung". Bei den beiden anderen Wirkstoffen habe man schon früher die Zusage erhalten, so dass man hier bereits voll lieferfähig sei.

Um die reibungslose Umsetzung von Rabattverträgen zu erleichtern, fordert der Pharmaverband Pro Generika künftig realistische Planungszeiten beim Inkrafttreten der Verträge. Für einige Wirkstoffe habe die Frist vom endgültigen Zuschlag bis zum Inkrafttreten der Verträge bei der 6. AOK-Ausschreibung nicht einmal vier Wochen betragen.

"Das ist für alle Marktpartner definitiv zu kurz, um sich darauf einzustellen. Egal ob Generikaunternehmen, pharmazeutischer Großhandel oder Apotheken: Alle brauchen einen realistischen Planungshorizont." Pro Generika plädiert für eine Frist von mindestens sechs, idealerweise neun Monaten zwischen Erteilung des Zuschlags und Beginn des Vertrags.

Die AOK verweis indessen auf eine Übergangsregelung, die mit dem Deutschen Apothekerverband vereinbart wurde, sollte zum Start ein Arzneimittel nicht sofort lieferbar sein. Jeder Patient bekomme so das Medikament, das er brauche. Laut Übergangsregelung, die bis Ende Juli gilt, geben Apotheker ein gleichwertiges, anderes Arzneimittel ab, wenn das Vertragsprodukt der AOK nicht lieferfähig sein sollte.

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