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Ärzte Zeitung online, 29.08.2011

AOK startet XXL-Rabattausschreibung

STUTTGART (fst). Die AOK-Gemeinschaft hat eine neue Runde von Rabattverträgen eingeläutet. Diese siebte Ausschreibung ist mit 105 Wirkstoffen oder Wirkstoffkombinationen die bisher größte. Ihr Umsatzvolumen im AOK-System wird auf mehr als zwei Milliarden Euro beziffert.

AOK startet eine XXL-Rabattausschreibung

AOK-Südwest-Vize Hermann will mindesten 600 Millionen Euro sparen.

© AOK Baden-Württemberg

Starten sollen die Verträge zum 1. April 2012, ihre Laufzeit wird mit zwei Jahren angegeben. Die Wirkstoffe Pantoprazol (Magensäurehemmer) und Olanzapin (Neuroleptikum) gehören zu den umsatzstärksten Präparaten der Ausschreibung.

Der Verhandlungsführer für das AOK-System Dr. Christopher Hermann bezifferte das erhoffte Einsparvolumen sämtlicher AOK-Rabattverträge für 2012 auf "mindestens 600 Millionen Euro".

Wegen Einsparungen keine Zusatzbeiträge

Diese Einsparungen seien ein Grund dafür, dass es im AOK-System weiter keine Zusatzbeiträge gebe, so Hermann.

Die neue Ausschreibung deckt überwiegend Wirkstoffe ab, für die Rabattverträge noch bis März 2012 laufen. Es seien aber neue Wirkstoffe hinzugekommen, die inzwischen patentfrei geworden sind, erklärte Hermann, der Vize-Vorstand der AOK Baden-Württemberg ist.

Die Zahl der Gebietslose ist auf acht erweitert worden, die Abgabefrist für Angebote ist der 17. Oktober. Dabei hält die AOK an der Praxis fest, je Gebietslos nur einem Unternehmen den Zuschlag zu erteilen.

Die jüngste - sechste -  Ausschreibungsrunde war von juristischen Scharmützeln begleitet, so dass viele Zuschläge erst etwa drei Wochen vor dem Inkrafttreten der neuen Verträge zum 1. Juni erteilt werden konnten.

Übergangsregelung für 560 neue Verträge

AOK und Apotheker hatten deshalb eine Übergangsregelung für die 560 neuen Verträge vereinbart.

Diese "Friedenspflicht" sah vor, dass Apotheken mögliche Lieferausfälle bei den Wirkstoffen der neuen AOK-Vertragsstaffel nur vereinfacht dokumentieren müssen, ohne hierfür wirtschaftliche Sanktionen fürchten zu müssen.

Aufgrund von Lieferschwierigkeiten einiger Hersteller wurde diese Regelung von Ende Juni dann nochmals bis Ende Juli verlängert. Gegenwärtig hat die AOK-Gemeinschaft insgesamt 172 Wirkstoffe unter Rabattvertrag, die ein Umsatzvolumen von "mehr als 3,5 Milliarden Euro" repräsentieren.

Marktdominanz auch nach Patentablauf?

Der Verband Pro Generika bezeichnete es als "Novum", dass die Ausschreibung einen Wirkstoff wie Olanzapin enthält, der noch bis September 2011 unter Patentschutz steht. Schon bisher gebe es bei dieser Substanz für rund 120 Kassen Rabattverträge.

Pro Generika fürchtet, dass der Erstanbieter auch über den Patentablauf seine Marktdominanz behält. Damit nehme der Anreiz für Generikahersteller ab, mit dem Wirkstoff auf den Markt zu kommen. Das Vorgehen der AOK untergrabe daher "die Grundlagen des Wettbewerbs".

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