Ärzte Zeitung online, 31.10.2011

vfa: Daumen hoch für frühe Nutzenbewertung

Durchbruch im Ringen um die frühe Nutzenbewertung: Nach monatelangen Verhandlungen zwischen Industrie und Kassen haben jetzt die großen Arzneihersteller die Vereinbarung durchgewunken. Strittig bleibt aber der Preisvergleich.

Frühe Nutzenbewertung: Hersteller folgen vfa

vfa-Chefin Fischer: Innovationen nicht blockieren.

© dpa

BERLIN (HL). Die Mitgliedsunternehmen des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) haben am Montag in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Rahmenvereinbarung zur Verhandlung von Erstattungsbeträgen für Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen zugestimmt.

Die Zustimmung erfolgte mit überwältigender Mehrheit ohne Gegenstimmen und bei zwei Enthaltungen.

Diese Rahmenvereinbarung war in einem zähen, neun Monate dauernden Verhandlungsmarathon zwischen dem GKV-Spitzenverband auf der einen Seite und den Herstellerverbänden vfa, BAH, BPI und Pro Generika auf der anderen Seite zustande gekommen.

Fischer erwartet "kritische Punkte"

Dazu erklärte die vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer auf Anfrage: "Es ist gut, dass nun auch von unseren Mitgliedern ohne jedes ‚Nein‘ die gemeinsam gefundene Lösung bei der Rahmenvereinbarung gebilligt wurde."

Gleichwohl werde es in der Umsetzung des AMNOG noch eine Reihe von kritischen Punkten geben.

Sowohl für die frühe Nutzenbewertung als auch für die Rahmenvereinbarung gelte, dass das Ringen um Bewertungs- und Vergleichskriterien nicht dazu führen dürfe, dass Innovationen künftig blockiert werden.

Vergleichsmaßstäbe zur Schiedsstelle?

Die konkrete Umsetzung müsse als lernender Prozess organisiert werden. Das gelte sowohl für die Rahmenvereinbarung, bei der sich gezeigt habe, dass inhaltliche Probleme vor allem in der Frage der Vergleichspreise liegen, als auch für die frühe Nutzenbewertung, bei der sich insbesondere die Frage der Vergleichstherapie als problematisch erwiesen habe, so Fischer.

Wichtig für die forschenden Arzneimittelhersteller sei nun vor allem die Frage, die der Schiedsstelle zur Entscheidung vorgelegt wird: Welches sind die für Deutschland relevanten europäischen Vergleichspreisen?

Der vfa sieht Deutschland (und seine Preise) nur im Vergleich mit Ländern, in denen auch vergleichbare Lebens- und Wirtschaftsverhältnisse existieren.

Preisabschläge qua Markt

Der GKV-Spitzenverband steht hingegen auf dem Standpunkt, dass grundsätzlich alle EU-Länder, auch die osteuropäischen in den Preisvergleich einbezogen werden sollen.

Die Kassen sind der Auffassung, dass der deutsche Markt allein schon wegen seiner Größe für die pharmazeutische Industrie derart interessant sei, dass dies mit entsprechenden Preisabschlägen honoriert werden muss.

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