Ärzte Zeitung, 11.05.2012

Nutzenbewertung: Den Drohungen folgen nun Taten

Das Säbelrasseln war ernst gemeint. Boehringer Ingelheim und Lilly werden den neuen Wirkstoff Linagliptin in Deutschland unter den vom GKV-Spitzenverband und dem Gemeinsamen Bundesausschuss geschaffenen Bedingungen nicht vermarkten.

Nutzenbewertung: Den Drohungen folgen nun Taten

Zeit für Korrekturen am AMNOG: vfa-Chef Hagen Pfundner.

© vfa

BERLIN (HL). Unmissverständlich hat vfa-Chef Hagen Pfundner zügig Korrekturen am Verfahren zur frühen Nutzenbewertung angemahnt. Unter generischen Preisbedingungen wird es für Deutschland keine Innovationen geben.

Aus Sicht von Pfundner, dem Vorsitzenden des Verbandes der Forschenden Arzneimittelhersteller, haben Kassen und GBA den Rubikon mit ihrem Verhalten überschritten. Unmissverständlich machte Pfundner beim Frühjahrssymposion seines Verbandes am Abend des 9. Mai in Berlin deutlich, dass es kein bloßes Säbelrasseln war, als Folge der frühen Nutzenbewertung damit zu drohen, Innovationen in Deutschland nicht einzuführen.

Die Situation ist nun da. Pfundner: "Wir lassen uns durch Deutschland nicht marginalisieren."

Zugeständnisse bei Erstattungspreisen sollen vertraulich bleiben

Ein entscheidender Punkt aus Industriesicht ist dabei, dass die vereinbarten oder festgelegten Erstattungspreise vertraulich bleiben. Das wird auch in anderen Ländern so gehandhabt.

Einerseits glauben die Krankenkassen, und diese Erwartung sprach der Barmer-GEK-Chef Christoph Straub in Berlin aus, dass Deutschland wegen der Größe seines Marktes für die Pharma-Industrie so interessant ist, dass sie Preiszugeständnisse machen kann. Würden solche Zugeständnisse aber offengelegt, dann würden sie in internationale Referenzpreissystematik einbezogen.

Ein Kellertreppeneffekt wäre die Folge. Es sei falsch, so Pfundner, die Bereitschaft zur Korrektur in diesem Punkt im Zuge der geplanten Novellierung des Arzneimittelgesetzes als Klientelpolitik zu diffamieren.

AMNOG als "Sprengstoff und Bremse" für Innovationen

Das AMNOG habe sich in seiner faktischen Umsetzung als "Sprengstoff und Bremse" für Innovationen erwiesen. In einem lernenden System sei nun Zeit für rasche Korrekturen.

Denn es habe sich gezeigt, dass bei den bis jetzt abgeschlossenen Nutzenbewertungen für 60 Prozent der potenziell betroffenen Patienten kein Zusatznutzen festgestellt worden sei - es sich also um "Schrott" handele.

Dabei sei fehlender Zusatznutzen oft nur aus formalen Gründen festgestellt worden, die aber am Ende zu einer digitalen Entscheidung führen: Wird eine Innovation in Deutschland vermarktet oder nicht?

Harsche Kritik an Maßstäben des GBA

Eine zentrale Stellschraube sei dabei die Festlegung der Vergleichstherapie, wobei die entscheidenden Bänke im Bundesausschuss - der GKV-Spitzenverband und die KBV - eine Präferenz für billige generische Therapien als Referenz haben.

Pfundner kritisiert, dass der Bundesausschuss darüber mit sich nicht verhandeln lasse, völlig neue und wissenschaftlich nicht haltbare Maßstäbe anwende, medizinische Endpunkte wähle, die wissenschaftlichen Leitlinien widersprechen und sich nur mangelhaft mit den Arzneimittelbehörden, die die Designs der Zulassungsstudien mit dem Hersteller festlegen, abstimme.

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[12.05.2012, 14:10:58]
Dr. Niki Zuka 
Geldmacherei
... wenn Geld einen solch hohen Stellenwert hat, kann jeder selbst seinen logischen Menschenverstand fragen, ob es bei sogenannten "Innovationen" um das Wohl des Patienten oder um das Wohl des Geldbeutels von Pharmaindustrie und Konsorten geht. Wer es nötig hat, über Erstattungspreise heimlich zu tun, macht sich in meinen Augen dadurch nicht glaubwürdiger. Ganz im Gegenteil. Ich bin froh darüber, dass die Strategie des Geldbeutels nicht mehr ganz so leicht aufgeht wie bisher.
Warum erfährt man im Übrigen in der populären Medienlandschaft zum Thema Diabetes nichts über Heilungen von insulinpflichtigem Diabetes über rein diätetische Maßnahmen? Sicherlich auch aus ober genannten Gründen.
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