Ärzte Zeitung, 30.05.2012

Petitionsausschuss votiert für Schmerzpatienten

Etappensieg für die Petition gegen Opioidaustausch: Der Ausschuss hat dafür plädiert, starke Schmerzmittel von der Austauschpflicht auszunehmen. Die Deutsche Schmerzliga jubelt.

Petitionsausschuss votiert für Schmerzpatienten

Werden starke Schmerzmittel ausgetauscht, führt das häufig dazu, dass die Patienten neu eingestellt werden müssen.

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BERLIN (af). Erfolg für die Deutsche Schmerzliga und ihre Ehrenpräsidentin Dr. Marianne Koch: Der Petitionsausschuss hat dafür plädiert, starke Schmerzmittel von der Austauschpflicht auszunehmen.

Die Entscheidung weckt Hoffnungen bei rund einer Million opioidpflichtiger Schmerzpatienten. In einer Anhörung vor Jahresfrist hatte Koch, die Internistin ist, vorgetragen, dass die Wirkstoffmenge in Generika zwischen 80 und 120 Prozent des Originalmedikaments betragen dürfe.

Diese Spanne führe dazu, dass Patienten immer wieder neu eingestellt werden müssten, wenn ihre Kasse neue Rabattverträge abgeschlossen habe. Dies sei für die Betroffenen ein Kraft raubender Prozess, auf den bis zu 2.500 Suizide im Jahr zurückzuführen seien.

Arzt kann Austausch verhindern

Der Petitionsausschuss nahm diese Argumente ernst. Die Petition und das Votum des Ausschusses wurden dem Gesundheitsministerium und den Fraktionen übermittelt.

Es sei unmöglich, dass ein Arzt die Rabattverträge bei der Medikamenteneinstellung berücksichtige. Der Arzt könne aber einen Austausch verhindern, wenn er "aut idem" ankreuze, sagt der Palliativmediziner Dr. Thomas Sitte, Vorsitzender der Deutschen Palliativ-Stiftung.

Damit werde er auffällig und könne in den Verdacht der Vorteilsnahme kommen.

Das Gesundheitsministerium hat in seiner Stellungnahme darauf verwiesen, dass der Apotheker im Einzelfall auch heute schon vom Austausch absehen könne. Er habe das jedoch noch nie erlebt, sagte Sitte der "Ärzte Zeitung".

Es komme allerdings häufiger vor, dass entgegen ärztlichem Verbot substituiert werde. Laut der Deutschen Schmerzliga sind etwa 6,9 Millionen Einheiten von insgesamt 200 Millionen im Jahr verordneten Einheiten an Schmerzmitteln betroffen.

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