Ärzte Zeitung, 18.06.2013
 

Aut-idem-Ausschluss

Politiker machen Druck

Gesundheitspolitiker aller Fraktionen wollen der Selbstverwaltung Beine machen: Bis August soll eine Vereinbarung zu Aut-idem-Ausnahmen stehen.

BERLIN. Seit Oktober vergangenen Jahres können GKV-Spitzenverband und Deutscher Apothekerverband (DAV) vereinbaren, in welchen Fällen die Aut-idem-Substitution aus medizinischen Gründen unterbleiben soll.

Bislang haben die Verbände dazu zwar mehrere Gesprächsrunden absolviert, jedoch noch keinen Konsens erzielt.

Weil Gesundheitspolitikern aller Parteien die Angelegenheit inzwischen offenbar zu lange dauert, forderten sie die beiden genannten Verbände jetzt förmlich auf, zu Potte zu kommen.

Wörtlich heißt es in einem Entschließungsantrag, den der Gesundheitsausschuss des Bundestages kürzlich verabschiedete, GKV-Verband und Apothekerverband mögen "bis zum 1. August 2013 eine Entscheidung zur Nicht-Austauschbarkeit" vorlegen.

Eine rechtliche Wirkung entfaltet diese Aufforderung zwar nicht. Branchenbeobachter werten sie jedoch als eindeutiges politisches Signal für eine Gesetzesverschärfung, sollte die Selbstverwaltung ihr nicht nachkommen.

Gespräche mit Apothekern schon eine ganze Weile

Schwarz-Gelb hatte die Möglichkeit, die Aut-idem-Substitution einzuschränken, im 2. Gesetz zur Änderung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften als Kann-Regelung im Sozialgesetzbuch V verankert.

Demnach können die Partner des Arzneimittelrahmenvertrages nach Paragraf 129 SGB V vereinbaren, "in welchen Fällen Arzneimittel nicht (durch ein wirkstoffgleiches Arzneimittel - Red.) ersetzt werden dürfen."

Ann Marini, stellvertretende Pressesprecherin des GKV-Spitzenverbandes, erläuterte gegenüber der "Ärzte Zeitung", man sei nicht untätig gewesen. Die Gespräche mit den Apothekern würden schon eine ganze Weile andauern.

Grundsätzlich gebe es aber Dissens in Methodenfragen. So zögen es die Pharmazeuten vor, einfach einen Katalog von Wirkstoffen zu erstellen, die nicht auszutauschen seien.

Dagegen sei der Spitzenverband daran interessiert, zunächst eine Systematik zu erarbeiten, nach der dann einzelne von der Substitution auszunehmende Wirkstoffe identifiziert werden. (cw)

Topics
Schlagworte
Arzneimittelpolitik (7234)
Personen
Ann Marini (70)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Frauen schuld an "Männergrippe"?

Jammernde Männer mit Erkältung sind keine Weicheier, sie leiden tatsächlich stärker. Das liegt wohl am Testosteron. Und an Frauen, die testosterontriefende Männer bevorzugen. mehr »

Stammzellgesetz – Bremse für Forscher?

2002 gab es um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen eine hochemotionale Debatte. Heute ist der Pionier von ehedem mit dem Stand seiner Arbeit zufrieden. Doch nicht nur er fürchtet durch das Stammzellgesetz Nachteile für Forscher in Deutschland. mehr »

Ebola-Überlebende auch 40 Jahre später noch immun

Eine Forscherin machte sich auf die Suche nach den Überlebenden des ersten Ebola-Ausbruchs – und verspricht sich davon wichtige Erkenntnisse. mehr »