Ärzte Zeitung, 08.08.2013
 

Biosimilars

Ärger über Rabatte

Der Generikahersteller Hexal bezweifelt angesichts der jüngsten AOK-Ausschreibung des Wirkstoffs Filgrastim, ob Rabattverträge bei Biosimilars geeignet sind. Andere Instrumente seien sinnvoller.

Von Christoph Winnat

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Hexal-Chef Fabry: Kurzfristige Preisnachlässe sind der falsche Weg.

© Sandoz Germany / Hexal AG

BERLIN/NÜRNBERG. Rabattverträge mit Pharmaherstellern sind seit sechs Jahren als Kostendämpfungsinstrument etabliert. Um 2,1 Milliarden Euro haben die gesetzlichen Kostenträger 2012 auf diesem Weg ihre Ausgaben für Arzneimittel gedrückt.

Über die gesamte Kassenlandschaft hinweg entspricht das einer durchschnittlichen Rabattierung von 38 Prozent, meldete kürzlich der Frankfurter Marktforscher IMS Health.

Allerdings handelt es sich bei den via Ausschreibung verbilligten Präparaten bislang noch durchweg um chemische Moleküle. Nach dem gesetzlich verfügten Stopp von Portfolioverträgen zu Ende April dieses Jahres erwarten Branchenbeobachter, dass zunehmend auch Bieterwettbewerbe für Biosimilars gestartet werden.

"Da ist viel Dynamik drin", sagt Bork Bretthauer, Geschäftsführer des Branchenverbandes ProGenerika. Aktuell gebe es mehrere Ausschreibungen. Vertragsabschlüsse seien ihm noch keine zu Ohren gekommen.

Zuletzt hat Mitte Juni der AOK-Bundesverband im Auftrag mehrerer Landes-AOKen zur Abgabe von Rabattangeboten für Filgrastim (zur Behandlung von Neutropenien) aufgerufen; die Frist endet am 6. August.

Weil mit Hilfe von Zellen hergestellte Wirkstoffe nicht wie klassische Nachahmer identisch zum Referenzwirkstoff sind, entfällt in den meisten Fällen die Möglichkeit der Aut-idem-Substitution.

Nur wenn zwei Hersteller ein identisches Produkt anbieten, das den gleichen biotechnischen Herstellprozess durchlaufen hat, sind beide Präparate austauschbar. Diese so genannten Bioidenticals gibt es derzeit als Epoetin alfa, Epoetin zeta, Filgrastim und Interferon beta-1b.

Bis dato - und dies auch nur in einem Fall - vermarkten maximal drei Anbieter ein Bioidentical unter eigenem Warenzeichen. Fraglich, ob unter diesen Umständen tatsächlich ein nennenswerter Bieterwettstreit stattfindet.

Einsparpotenzial in Milliardenhöhe?

Zumal es sich bei einigen Parallel-Anbietern ohnehin um Schwestergesellschaften handelt oder aber Lizenzverbindungen untereinander bestehen. So brachte etwa die Suche der DAK Ende vergangenen Jahres nach einem Rabattpartner für Epoetin alfa kein Angebot.

Außer der Einflussnahme auf Neueinstellungen beabsichtigten die Kassen daher mit Ausschreibungen von Biologicals wohl eher, Originalanbieter gegen Re-Importeure auszuspielen, meint Bretthauer.

Solche kurzfristigen Preisnachlässe seien der falsche Weg, um das Einsparpotenzial von Biosimilars zu heben, kritisiert auch Helmut Fabry, Vorstandssprecher der Hexal AG.

Ab 2014 würden erstmals mehr Biologicals patentfrei werden als chemisch definierte Substanzen.

Angesichts der Kosten für die Entwicklung eines Biosimilars - Fabry zufolge 100 bis 250 Millionen US-Dollar pro Molekül - machten Ausschreibungen den deutschen Markt unattraktiv: "Rabattverträge würden die Investitionen in diese Produktgruppe abwürgen."

Um eine schnelle Marktdurchdringung von Biosimilars und damit hohe Einsparungen zu erzielen, sollten sich Kassen und KVen besser über alternative Instrumente zur Steuerung einer wirtschaftlichen Verordnungverständigen.

Beispielhaft verweist Fabry auf eine Prüfvereinbarung der KV Sachsen. Dort wird die Verordnung des Wachstumshormons Somatropin als Praxisbesonderheit ausdrücklich "nur in Höhe des Preises für die entsprechenden Biosimilars" anerkannt.

Das Berliner IGES-Institut hat für Biosimilars ein Einsparpotenzial bis 2020 von 4,3 bis zu 11,7 Milliarden Euro errechnet. Die genaue Zahl sei abhängig davon, wie schnell rekombinante Analogprodukte Marktanteile gewinnen, sprich, sich bei den Verordnern durchsetzen.

Hexal sieht sich selbst als Biosimilar-Marktführer hierzulande. Das Portfolio umfasst Epoetin, Filgrastim und Somatropin, in der Pipeline sind Pegfilgrastim, Rituximab und Etanercept, letzteres befindet sich am Beginn der klinischen Phase III.

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