Ärzte Zeitung online, 09.08.2013
 

Arzneiausgaben

Ärzte setzen mehr Innovationen ein

Die Ausgaben für Arzneimittel sind im ersten Halbjahr 2013 um gut vier Prozent gestiegen. Drei Faktoren haben zu dieser Entwicklung geführt.

Von Helmut Laschet

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FRANKFURT. Die Ausgaben für Arzneimittel und Testdiagnostika (ohne Impfstoffe) sind im ersten Halbjahr 2013 um 4,1 Prozent zum gleichen Vorjahreszeitraum auf 15,2 Milliarden Euro (zu Apothekenverkaufspreisen) gestiegen.

Dabei sind die gesetzlichen Rabatte bereits berücksichtigt. Der Absatz nach Packungen stieg um 2,8 Prozent auf 605 Millionen Packungen.

Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens IMS Health haben drei Faktoren das Wachstum der Ausgaben wesentlich beeinflusst: einige wenige innovative Arzneigruppen zur Behandlung schwerer Krankheiten, Verlagerungen der Therapie von Kliniken in die ambulante Versorgung sowie die Grippe- und Erkältungswelle.

Große Steigerung bei Antineoplastika

Weit überproportional gewachsen sind beispielsweise die Ausgaben für Antineoplastika in der Krebstherapie (plus 19 Prozent). Der Mengenanstieg, gerechnet in Tabletten oder Kapseln, beläuft sich auf nahezu zehn Prozent.

Dabei zeigt sich, dass immer mehr Patienten ambulant behandelt werden können: So sind die Ausgaben, die Krankenhäuser im Rahmen ambulanter Behandlung für Arzneimittel direkt mit den Krankenkassen abrechnen, im ersten Halbjahr im 17 Prozent gestiegen. Das Mengenplus liegt bei fünf Prozent.

Noch ausgeprägter ist der Verlagerungseffekt bei Immunsuppressiva, die bei Autoimmunkrankheiten oder nach Transplantationen eingesetzt werden: Mengenmäßig wurden davon im ersten Halbjahr auf GKV-Rezept drei Prozent mehr verordnet.

Die Ausgaben stiegen um 17 Prozent. Umsatz und Menge der direkt zwischen Kliniken und Kassen abgerechneten Immunsuppressiva für ambulante Behandlung schnellten jedoch um 42 Prozent hoch.

Biologicals auf dem Vormarsch

Vermehrt eingesetzt werden inzwischen Biologicals zur Behandlung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen, von denen in Deutschland etwa 1,5 Millionen Patienten betroffen sind. Die Menge nach Zähleinheiten stieg im ersten Quartal um elf Prozent, die Ausgaben wuchsen um 15 Prozent.

Allein diese drei Arzneimittelgruppen verursachten Mehrausgaben von fast 320 Millionen Euro und erklären damit etwa die Hälfte des Ausgabenanstiegs in der Arzneiversorgung des ersten Halbjahres.

Ein weiterer Ausgabenzuwachs wurde durch die Grippe- und Erkältungswelle im ersten Quartal verursacht: So wurden für Hustenmittel, schleimlösende Präparate und Medikamente gegen Schnupfen 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum ausgegeben, das entspricht 90 Millionen Euro.

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