Ärzte Zeitung, 18.11.2013
 

Kommentar

Noch ein Opt out

Von Helmut Laschet

Nun hat der GKV-Spitzenverband die Schraube überdreht. Seine Vorstellungen, ein onkologisches Orphan Drug zum Preis von alten Standard-Zytostika zu bekommen, sind nicht von dieser Welt, weder ökonomisch noch juristisch.

Der Hersteller Pfizer hat die Konsequenzen gezogen und bietet das seit März 2013 zugelassene Bosulif® gegen Chronisch Myeloische Leukämie in Deutschland nicht mehr an. Betroffen sind bis zu 500 Patienten pro Jahr.

Das Ergebnis steht im Widerspruch zum europäischen Arzneimittelrecht. Mit der speziellen Gesetzgebung für Orphan Drugs soll die Entwicklung von Therapien gegen seltene Krankheiten gezielt gefördert werden, und zwar vor allem dort, wo es fast keine Behandlungsalternativen gibt. Dieses Ziel durchkreuzt der GKV-Spitzenverband.

Die betroffenen Patienten und ihre Ärzte werden damit auf einen mühsamen Weg geschickt. Da Bosutinib europaweit zugelassen ist, ist es nach wie vor in Deutschland verkehrs- und verordnungsfähig. Es kann über Auslandsapotheken beschafft werden. Das sollten Ärzte wissen.

Aber dann beginnt der mühselige Kampf um die Erstattung der vorgelegten Arzneimittelkosten. Bei fast 70.000 Euro pro Jahr ist klar, wer hier auf der Strecke bleibt: der Patient.

Lesen Sie dazu auch:
Opt out für Bosulif®: Erstes Orphan Drug nicht für Deutschland

[28.11.2013, 11:05:05]
Anne C. Leber 
Leserzuschrift von Dr. Antje Haas
Mit einer Mischung aus Erstaunen und Unverständnis habe ich den Kommentar von Helmut Laschet zum Thema Marktrücknahme des Präparates Bosulif® durch die Firma Pfizer gelesen. Es drängte sich mir beim Lesen seines Kommentars der Verdacht auf, dass er mehr weiß, als die Verhandlungsteilnehmer. In dem Kommentar heißt es, dass der GKV-Spitzenverband „die Preisschraube überdreht“ habe. Diese Äußerung ist deshalb so erstaunlich, weil in der ersten Verhandlungsrunde von Seiten des GKV-Spitzenverbandes regelhaft keine Preisvorstellung genannt wird. Bedauerlicherweise hat Pfizer noch vor Beginn der zweiten Verhandlungsrunde, in der erstmals die Preisvorstellungen hätten ausgetauscht werden können, sich entschieden, das Präparat vom Markt zu nehmen. Aus der Perspektive eines interessierten Lesers der Ärzte Zeitung kann ich ein gewisses Befremden darüber nicht verhehlen, dass in dem Kommentar eine Tatsachenbehauptung aufgestellt wird, die nicht richtig ist.
Dr. Antje Haas
Leiterin Abteilung Arznei- und Heilmittel, GKV-Spitzenverband zum Beitrag »

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