Ärzte Zeitung, 02.12.2013

Fight the Fakes

Allianz gegen gefälschte Arzneimittel

Zehn Organisationen aus dem medizinischen und pharmazeutischen Bereich kämpfen unter dem Motto "Fight the Fakes" weltweit gegen Arzneifälschungen.

NEU-ISENBURG. Arzneimittelfälschungen stellen für Patienten und die breite Öffentlichkeit ein zunehmendes Risiko dar.

Um dem entgegenzutreten, haben sich zehn Partner - darunter Medizin-Experten, krankheitsspezifische Organisationen, Produktentwicklungspartnerschaften, Stiftungen, internationale Finanzinstitutionen sowie die forschungsbasierte Pharmaindustrie - zusammengetan, um auf die Gefahren gefälschter Arzneimittel aufmerksam zu machen.

Unter dem Kampagnennamen "Fight the Fakes" sucht die Allianz nach eigenen Angaben Organisationen und Einzelpersonen, die im Rahmen einer globalen Bewegung über die zunehmende Bedrohung der öffentlichen Gesundheit durch gefälschte Medikamente aufklärt - und somit die potenziellen Anwender rund um den Globus für die Risikosituation sensibilisiert.

"Arzneimittelfälschungen gehören zu den größten Bedrohungen der weltweiten öffentlichen Gesundheit. Überall auf der Welt gibt es geld- und profitgierige Menschen, denen die Folgen und die öffentliche Gesundheit egal sind. Wir alle müssen gemeinsam gegen dieses globale Problem vorgehen, und sobald wir dazu in der Lage sind, werden wir weltweit große Fortschritte bei der Bekämpfung gefälschter Arzneimittel machen", sagt Dr. Stephen Opuni, Geschäftsführer der ghanaischen Lebens- und Arzneimittelbehörde.

Wie "Fight the Fakes" hinweist, konsumierten viele Opfer gefälschter Medikamente ihre Pillen in dem Glauben, sie erhielten authentische Arzneimittel. Sie wüssten nicht, dass die Fälschungen zu weiteren Erkrankungen, Behinderungen oder gar zum Tod führen können.

Des Weiteren stellten gefälschte Arzneimittel insofern eine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit dar, als dass sie zur Entwicklung von Arzneimittelresistenzen beitragen.

Auch Industrieländer sind betroffen

Wenngleich Menschen aus Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen oftmals einem größeren Risiko ausgesetzt seien als Menschen aus Ländern mit hohem Einkommen, handele es sich bei Arzneimittelfälschungen um ein globales Problem.

Aus nahezu allen Regionen der Welt würden Arzneimittelfälschungen gemeldet, so "Fight the Fakes".

Laut Schätzungen der betroffenen Länder handle es sich bei bis zu einem Prozent der in Industrieländern verfügbaren Arzneimittel vermutlich um Fälschungen.

Weltweit betrachtet steige diese Zahl auf zehn Prozent, und in einigen Regionen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas könne der Anteil der im Umlauf befindlichen Arzneimittelfälschungen bis zu 30 Prozent betragen.

In Afrika sind nach Angaben der Allianz vermutlich ein Drittel aller Malariapräparate Fälschungen. Schätzungen zufolge handle es sich bei der Hälfte aller Arzneimittel, die im Internet auf Websites mit fehlender Angabe einer Standortadresse angeboten werden, um Fälschungen.

Bei gefälschten Produkten könne es sich um Nachahmungen von Markenprodukten, Generika und rezeptfreien Präparaten handeln. So gut wie jedes Arzneimittel könne gefälscht werden und sei bereits gefälscht worden, so "Fight the Fakes".

Dabei sei es egal, ob es sich um Lifestyle-Präparate, wie zum Beispiel gegen Erektionsstörungen oder Übergewicht, oder lebensrettende Arzneimittel, wie solche gegen Malaria, Krebs, Tuberkulose, HIV/Aids, Herzkrankheiten, Diabetes und andere lebensbedrohliche Erkrankungen handele.

Aufgrund des komplexen Umfeldes, in dem Herstellung, Transport, Vertrieb und Verbrauch der Arzneifälschungen vonstattengingen, werde es immer schwieriger, diesem Problem entgegenzuwirken.

Die Partner der neuen Kampagne sind nach eigenem Bekunden davon überzeugt, dass öffentliche Aufklärungsarbeit und koordinierte Maßnahmen von Seiten aller Akteure, die an der Herstellung und am Vertrieb von Arzneimitteln beteiligt sind, von entscheidender Bedeutung sind, um dieser Bedrohung der öffentlichen Gesundheit entgegenzutreten.

Die Partner brächten ihre Erfahrung, ihr Wissen und ihre Erkenntnisse ein, sorgten für den Schutz von Patienten weltweit und riefen zur Schaffung und strikten Anwendung gesetzlicher und regulatorischer Rahmenbedingungen in allen Ländern für die effiziente Bekämpfung von Arzneifälschungen auf. (maw)

Die Allianz gegen Arzneifälschungen im Web: http://www.fightthefakes.org

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »