Ärzte Zeitung App, 16.09.2014

Kommentar

Start in einen überfälligen Dialog

Von Helmut Laschet

Gemeinsam mit Wissenschaft, Wirtschaft und Gewerkschaften startet die Bundesregierung den Pharmadialog. Ziel ist, den erfolgreichen Pharmastandort Deutschland zu sichern und weiter auszubauen.

Wir stehen vor einer doppelten Aufgabe: alles dafür zu tun, dass Deutschland ein Vorreiter auf dem Gebiet des medizinischen Fortschritts bleibt. Und zugleich dafür zu sorgen, dass alle hierzulande an diesem Fortschritt teilhaben können."

Mit diesen Worten hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt" den gestern unter seiner Federführung gestarteten Pharmadialog begründet.

Dieser Dialog ist überfällig. Längst ist Deutschland nicht mehr die Apotheke der Welt. Und diese vergangene Epoche wird auch nicht mehr zurückkehren. Aber nach wie vor ist Deutschland ein wichtiger Standort für Grundlagen- und klinische Forschung sowie für Pharma-Produktion. Aber die relative Bedeutung nimmt ab.

Was wird Inhalt dieses Dialogs sein? Deutschland verfügt über eine hervorragende Forschungsinfrastruktur und ist zumindest in Europa führend. Diesen Spitzenplatz gilt es zu pflegen und auszubauen. Langfristig ist dies nur zu erreichen, wenn die Innovationsleistung refinanziert wird. Daran sind jedoch Zweifel erlaubt.

Schnäppchenjäger-Mentalität

In der Arzneimittelversorgung hat sich eine gefährliche Tendenz zu einem Discountermarkt entwickelt. In der Generika-Versorgung ist die Schnäppchenjäger-Mentalität fest etabliert.

Das ist gefährlich, weil es Konzentrationsprozesse fördert, zu nicht mehr beherrschbaren Abhängigkeiten führt und am Ende Lücken in die Versorgung reißt. Stichwort: Lieferengpässe.

Werden, wie in Deutschland nach der frühen Nutzenbewertung üblich, Generikapreise zum Wirtschaftlichkeitsmaßstab für Innovationen gemacht, ist dies langfristig ein verheerendes Signal.

Zum Beispiel für die Entwicklung neuer Antibiotika. Zu Recht beklagt Gröhe hier das Fehlen von Innovationen. Aber, so ist zu fragen, mit welchen Refinanzierungsbedingungen können Innovatoren rechnen?

Mit dem ressortübergreifenden Dialog hat Gröhe - hoffentlich - den Start in eine besser mit der Forschungs- und Wirtschaftspolitik vernetzte Gesundheitspolitik gemacht.

Lesen Sie dazu auch:
Pharma-Dialog: Gemeinsam für den medizinischen Fortschritt

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Tumorpatienten bei Schmerztherapie unterversorgt

Viele Krebskranke erhalten keine adäquate Schmerztherapie. Das hat eine erste Analyse der Online-Befragung "PraxisUmfrage Tumorschmerz" ergeben. mehr »

ADHS-Arznei lindert Apathie bei Alzheimer

Eine Therapie mit Methylphenidat kann die Apathie bei Männern mit leichter Alzheimerdemenz deutlich zurückdrängen. mehr »

Zehn Jahre "jünger" durch Sport

Wer Sport treibt, ist motorisch gesehen im Schnitt zehn Jahre jünger als ein Bewegungsmuffel. mehr »