Ärzte Zeitung, 12.02.2015

Sofosbuvir

GKV erzielt Einigung mit Gilead

Nach viel Aufregung um die Preisbildung für neue HCV-Therapeutika, kehrt nun offenbar wieder Normalität in die Beziehungen zwischen Kassen und Herstellern ein.

BERLIN. Auch unter AMNOG-Bedingungen finden hochpreisige Innovationen weiterhin regelhaft Eingang in die GKV-Versorgung: Das zeigt die jüngste Einigung zwischen GKV-Spitzenverband und Gilead auf einen Erstattungsbetrag für dessen neues Hepatitis C-Therapeutikum Sovaldi® (Sofosbuvir).

Nachdem die Preisverhandlungen zunächst erfolglos verliefen und die Schiedsstelle angerufen werden musste, gaben Hersteller und Kassenverband am Donnerstag überraschend doch noch ein Verhandlungsergebnis bekannt.

Bestandteil der auf drei Jahre befristeten Vereinbarung, derzufolge die 12-wöchige Therapie mit Sovaldi® die Kassen brutto rund 43.600 Euro kostet, ist eine jährliche Preis-Abstaffelung.

Dadurch ergäben sich "weitere Einsparungen", so der GKV-Spitzenverband. Anforderungen an die Verordnung, nach denen Sovaldi® als Praxisbesonderheit anzuerkennen wäre, wurden dagegen nicht vereinbart.

Abbvie gibt Kosten bekannt

Unterdessen hat Wettbewerber Abbvie, der seit Mitte Januar mit einer neuartigen oralen HCV-Vierfach-Kombi im Markt ist, die Kosten für sein Therapieregime bekannt gegeben.

Zwölf Behandlungswochen mit Viekirax® (Ombitasvir + Paritaprevir + Ritonavir) plus Exviera® (Dasabuvir) kosten rund 56.000 Euro.

Damit setzt sich Abbvie nur unwesentlich von Gilead ab, für dessen Sofosbuvir bisher bei gleicher Behandlungsdauer rund 60.000 Euro (Apothekenabgabepreis) aufgerufen wurden.

Bei der Preisbildung habe man sich an der Vergleichstherapie mit Telaprevir orientiert.

Unter Berücksichtigung der deutlich besseren Heilungschancen sei die Wirkstoffkombi Viekirax® + Exviera® nicht teurer, sagte eine Unternehmenssprecherin. Für die HCV-Kombi von Abbvie muss aber erst noch ein Erstattungspreis ausgehandelt werden.

Die Preisbildung für die neuen HCV-Therapeutika hatte sich vor allem unter dem Eindruck des auch international als "1000 Dollar-Pille" titulierten Sofosbuvir zum Politikum entwickelt.

Eigens für neue HCV-Therapeutika haben Kassen und KBV 2015 ein Sonderausgabenvolumen von plus 2,4 Prozent eingeplant. Zudem haben bereits mehrere große Krankenkassen eigene Rabattverträge mit Gilead für Sovaldi® geschlossen. (cw)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »