Ärzte Zeitung, 10.03.2016

Arzneipreise

AOK will Antwort der Politik

Die steigenden Einstiegspreise für Innovationen erfordern aus WIdO-Sicht eine politische Antwort.

BERLIN. Mit seiner jüngsten Preisanalyse des GKV-Arzneimittelindex hat das Wissenschaftliche Institut der Ortskrankenkassen (WIdO) die Extrementwicklungen im Arzneimittelmarkt aufgegriffen, speziell die Entwicklung der Preise für Neueinführungen.

Die These des AOK-Instituts: Mit immer höheren Preisen für Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen versuchen die Arzneimittelhersteller offenbar, die Wirkungen der frühen Nutzenbewertung im Rahmen des AMNOG - nämlich die Festsetzung eines Erstattungsbetrages ein Jahr nach Einführung - zu kompensieren.

Dazu hat das WIdO - neben der üblichen und anerkannten Errechnung der Preisindices für den GKV-Arzneimittelmarkt, die sich allesamt nach unten bewegen - die Extrempunkte im Markt einer Analyse unterzogen: die Preisentwicklungen bei den billigsten und bei den teuersten Arzneimitteln.

- Die ein Prozent preiswertesten Präparate sind danach im vergangenen Jahr noch einmal billiger geworden: Der Preis hat sich von Januar bis Dezember von 17,25 auf 16,80 Euro (Apothekenverkaufspreis) ermäßigt; das ist ein Rückgang von 2,6 Prozent.

- Bei dem einen Prozent der teuersten Präparate stieg der Apothekenverkaufspreis von Januar bis Dezember von 33.585 auf 41.080 Euro - , das ist ein Preisanstieg von 22,3 Prozent. Bereits im Jahr zuvor war der Durchschnittspreis der teuersten Produkte um fast 42 Prozent gestiegen.

 - Generell werden Neueinführungen immer teurer. Im Januar 2016 erreichte der ungewogene Durchschnittspreis aller neu auf den Markt gebrachten Arzneimittel 4007 Euro. Ein Jahr zuvor waren es noch 3869 Euro, Anfang 2014 belief sich der (ungewogene) Durchschnittspreis noch auf 2751 Euro. Damit wäre der Preis von Neueinführungen binnen knapp zwei Jahren um 46 Prozent gestiegen.

Doch bei der Interpretation dieser Zahlen ist Vorsicht geboten. Während der GKV-Arzneimittelindex Warenkörbe nutzt, bei denen die Arzneimittel entsprechend ihrer Verordnungshäufigkeit gewichtet sind, beruht die Darstellung der Preisentwicklung bei den teuersten Präparaten und bei den Neueinführungen auf einer Errechnung ungewichteter Werte.

Dazu ein Beispiel: In diese Art der Berechnung geht ein Orphan Drug mit einem Preis von 100.000 Euro, das drei Patienten in der GKV verordnet wird, mit dem gleichen Gewicht ein wie ein neues Antidiabetikum, das pro Patient Jahrestherapiekosten von 400 Euro verursacht und 10.000 GKV-Patienten verordnet wird. (HL)

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