Ärzte Zeitung online, 16.03.2017

DDG befürchtet

Immer weniger Medizin für immer mehr Diabetiker

Noch bietet das deutsche Gesundheitssystem eine hohe Versorgungsqualität. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft fürchtet jedoch, dass der Trend zur Ökonomisierung in der Medizin diese für Diabetiker zunehmend gefährdet.

Immer weniger Medizin für immer mehr Diabetiker

Experten sehen die Qualität der Diabetiker-Versorgung durch die Ökonomisierung der Medizin in Gefahr.

© putilov_denis / Fotolia

BERLIN. Als einen "Hemmschuh" für den Erhalt der Versorgungsqualität von Diabetes-Patienten nennt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) den ökonomischen Wettbewerb in Kliniken. Auf dem wirtschaftlichen Prüfstand seien vor allem Abteilungen, die einen hohen Anteil an sprechender Medizin aufwiesen und damit als unrentabel gälten, so die DDG in einer Mitteilung im Vorfeld der heutigen Pressekonferenz. Die Folge: Bereits mehrere internistische, diabetologische und endokrinologische Klinikabteilungen seien geschlossen worden und mit ihnen auch dringend benötigte Weiterbildungsmöglichkeiten für den medizinischen Nachwuchs verschwunden.

Zugleich fürchte die DDG, dass im Rahmen des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) bewertete Therapiestrategien, die von wissenschaftlichen Fachgesellschaften als "medizinischer Standard" empfohlen werden, auf Grund des Preises dann doch nicht umgesetzt werden. Dabei seien gerade Menschen mit Diabetes eine ständig wachsende Patientengruppe, deren Versorgung auch künftig gesichert werden müsse.

"Die DDG unterstützt die sinnvolle Notwendigkeit und das Konzept des AMNOG zur Kostenbegrenzung grundsätzlich", erklärt Professor Dr. Dirk Müller-Wieland, Vizepräsident und Mediensprecher der DDG in der Pressemitteilung. Allerdings gebe es in mehreren Punkten Verbesserungspotenzial.

Ein Vorschlag der DDG: Der G-BA sollte strukturiert die wissenschaftlichen Fachgesellschaften einbeziehen, um den "medizinischen Standard" zu definieren. Betroffene sollten zudem stimmberechtigt eingebunden werden, damit die Patientenrelevanz bei Entscheidung deutlicher zum Tragen komme. Darüber hinaus hält die DDG auch einen unabhängigen wissenschaftlichen Beirat unter anderem zur medizinischen Plausibilitätskontrolle der AMNOG-Ergebnisse für sinnvoll. (run)

Lesen Sie später mehr zur Diskussion über die Ökonomisierung der Medizin im Web und in der App.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Mehr Beachtung für die Diastole!

Dem diastolischen Blutdruck wird weniger Bedeutung geschenkt als dem systolischen. Dabei sind diastolische Werte ein unabhängiger Risikofaktor für Infarkt und Schlaganfall. mehr »

Drei Gesetze auf einen Streich

Gesundheitsminister Spahn in Höchstform: Dem Bundeskabinett präsentiert er drei ambitionierte Reformpläne – und die werden abgenickt. Nach der Sommerpause berät der Bundestag darüber. Es dürfte turbulent werden. mehr »

Rauchen schadet besonders Frauenherzen

Rauchen erhöht das Risiko für einen Herzinfark – unabhängig von Geschlecht und Alter. Bei jungen Frauen scheint sich Zigarettenkonsum am stärksten auszuwirken. Doch das Risiko lässt sich deutlich senken. mehr »