Ärzte Zeitung online, 10.05.2017

Nordrhein-Westfalen

Ambulantes Zentrum hilft Contergan-Geschädigten

Neue Einrichtung fokussiert sich auf Folgeschäden der Betroffenen.

KÖLN. Im oberbergischen Nümbrecht hat ein ambulantes Schwerpunktzentrum zur Behandlung von Menschen, die durch Contergan geschädigt wurden, die Arbeit aufgenommen. Die neue Einrichtung an der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik will die Versorgung der rund 800 Betroffenen in Nordrhein-Westfalen verbessern sowie die sie betreuenden Ärzte und Therapeuten schulen.

Es gehe darum, den besonderen Bedarf von contergangeschädigten Menschen zu erkennen und ihnen die notwendigen Hilfen und Unterstützungsangebote zur Verfügung zu stellen, sagte Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne). "Ziel ist es, Betroffenen durch bedarfsgerechte Behandlung, Prävention und Unterstützung auch im Alter ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen." Eine vom Land NRW in Auftrag gegebene Studie hatte 2015 den speziellen Versorgungsbedarf von contergangeschädigten Menschen dokumentiert und unter anderem die Einrichtung eines Schwerpunktzentrums empfohlen.

Die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik bietet seit Jahren eine ambulante Spezialsprechstunde an. Während die Betroffenen die sogenannten Ursprungsschäden über Jahrzehnte gut kompensiert hätten, litten sie nun unter Folgeschäden wie Nacken- und Rückenschmerzen sowie an Schulter-, Knie- und Hüftschmerzen, sagte Professor Klaus Peters, ärztlicher Leiter des Zentrums und Chefarzt der Orthopädie an der Klinik. "Durch das Schwerpunktzentrum wollen wir die bisher festgestellte Unterversorgung und vor allem die Fehlversorgung der Betroffenen vermeiden."

Die Betroffenen benötigten ein solches Spezialangebot, betonte Udo Herterich, Vorsitzender des Interessenverbandes Contergangeschädigter NRW. Wichtig seien multidisziplinäre Untersuchungen und Therapien. "Im Schwerpunktzentrum wird es darum gehen, therapeutische Lösungsangebote auszuprobieren, aber auch eine umfassende Beratung zu bekommen hinsichtlich unserer besonderen Bedarfe im Wohnumfeld und Alltag", sagte er. (iss)

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