Ärzte Zeitung online, 07.11.2017

Diabetes, Adipositas und Bluthochdruck

Diabetesgesellschaft fordert Lobby für chronisch Kranke

Eine institutionalisierte politische Vertretung für Diabetiker und Hypertoniker soll die Prävention von Volkskrankheiten nach vorne bringen.

Von Anno Fricke

Diabetesgesellschaft fordert Lobby für chronisch Kranke

Menschen mit Diabetes, Adipositas und Bluthochdruck sollen besser vertreten werden, fordern die Deutsche Diabetes Gesellschaft und die Deutsche Hochdruckliga.

© Africa Studio / stock.adobe.com

BERLIN. Der zunehmende ökonomische Druck auf Ärzte in Krankenhäusern beschäftigt die medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften.

In der bevorstehenden Legislaturperiode müsse ein Nationaler Diabetesplan beschlossen werden, forderte Professor Monika Kellerer, Vizepräsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), von der nächsten Bundesregierung. Ein Bundesbeauftragter für Diabetes, Adipositas und Bluthochdruck solle der Prävention dieser Krankheiten Nachdruck verleihen. In der zurückliegenden Legislatur gelang Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) mit der "Allianz für Gesundheitskompetenz" lediglich eine eher vage Unterstützung der sprechenden Medizin.

Zudem solle die Forschung an Volkskrankheiten wie Diabetes stärker gefördert werden, sagte Kellerer bei der Auftaktpressekonferenz der Herbsttagung der DDG und des Wissenschaftlichen Kongresses der Deutschen Hochdruckliga (DHL) am Dienstag in Berlin.

Im Medizinstudium solle die Diabetologie eine größere Rolle spielen. Es könne nicht sein, dass das Thema wie bisher in "ein paar Doppelstunden" abgehakt werde. Diese Maßnahmen seien notwendig, um auch in Zukunft die Versorgung der immensen Zahl von Betroffenen aufrecht zu erhalten.

Bei etwa sechs Millionen Menschen ist ein Diabetes diagnostiziert. Die Dunkelziffer an nicht entdeckten Krankheiten wird auf zwei Millionen geschätzt.

Die Forderungen zielen auf eine Entwicklung, die in der Inneren Medizin längst Besorgnis ausgelöst hat. Eigenständige klinische Diabetesabteilungen müssten ökonomischem Druck weichen und würden nicht wiederbesetzt. Das wiederum wirke sich auf die Nachwuchsgewinnung aus, die Diabetologie verliere in den universitären Lehrplänen an Bedeutung, skizzierte Kellerer die Kausalkette. Dieses Szenario laufe dem Trend einer wachsenden Zahl von Patienten mit Diabetes entgegen.

Es seien Grenzen erreicht, beschrieb DDG-Präsident Professor Dirk Müller-Wieland die aktuelle Situation. Er betonte die Verantwortung der Fachgesellschaft dafür, dass es auch in Zukunft noch Diabetologen, Hypertensiologen und Rheumatologen gebe.

Erstmals veranstalten die DDG und die Deutsche Hochdruckliga ihre Kongresse ab 13. November gemeinsam. Professor Walter Zidek, Sprecher der Sektion Versorgungsstrukturen / Hypertoniezentren in der DHL, forderte die kommende Bundesregierung auf, Menschen mit chronischen Krankheiten und ihre ärztliche Versorgung in den Fokus zu nehmen.

Die Ökonomisierung in der Folge der Einführung der Fallpauschalen (DRG) sei nur schwer wieder einzufangen. "Die Ökonomen haben die Macht in den Krankenhäusern übernommen", sagte Zidek. Um die Entwicklung umzukehren, benötige es mindestens zehn Jahre.

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