Ärzte Zeitung online, 18.12.2017

Arznei-Informationssystem

BPI und vfa –Arzt soll Therapiehoheit behalten

Die Pharmaverbände warnen davor, mit dem Arzt-Informationssystem zur Nutzenbewertung eine neue Form der Wirtschaftlichkeitsprüfung einzuführen.

BERLIN. Der Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa) und der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) plädieren dafür, dass Ärzte selbst bei der Gestaltung des geplanten Arzt-Informationssystems zu den Ergebnissen der frühen Nutzenbewertung eine tragende Rolle übernehmen und so auch ihre Freiheit und Verantwortung für die Arzneimitteltherapie behalten.

Vehement wenden sich die beiden Verbände gegen Versuche des GKV-Spitzenverbandes, über Erstattungspreise, die am Ausmaß des Zusatznutzens in Subpopulationen orientiert sind, in Kombination mit einer differenzierten Kodierung eine neue Form der Wirtschaftlichkeitsprüfung einzuführen.

"Was gute Therapieentscheidungen nicht brauchen, sind die Gängelung, Überwachung, Bürokratie und die Visualisierung von Regressszenarien der Kassen", sagte der stellvertretende BPI-Hauptgeschäftsführer Norbert Gerbsch am Freitag in Berlin. Therapieentscheidungen gehörten allein in die Hände von Arzt und Patient. Man dürfe sicher sein, dass Ärzte sich Informationen, die sie für ihre Therapie benötigten, recherchieren und auch lesen. Es sei sinnvoll, Informationen über den Zusatznutzen neuer Arzneimittel strukturiert in der Praxissoftware zugänglich zu machen. Der Arzt benötige aber das vollständige "Kartenmaterial".

Die Ergebnisse der Nutzenbewertung könnten nicht die einzige Informationsquelle bleiben, sagte auch vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer. Sie wies darauf hin, dass GBA-Beschlüsse von anderen Informationsquellen teils erheblich abweichen. So hat ein Vergleich der Bewertung neuer onkologischer Arzneimittel in Leitlinien und in GBA-Verfahren ergeben, dass der Zusatznutzen zu fast 40 Prozent unterschiedlich beurteilt werde. Fischer: "Ein vom GKV-Spitzenverband getriebenes Arzt-Informationssystem informiert nicht, sondern diktiert Verordnung."(HL)

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