Ärzte Zeitung online, 28.12.2017

Ihre Meinung ist gefragt

Mehr Arzneien ohne Rezept?

Wären Sie dafür oder dagegen, dass weitere Arzneimittel aus der Verschreibungspflicht genommen werden? Machen Sie mit bei unserer Leserumfrage im Internet!

Mehr Arzneien ohne Rezept?

Heute ist bereits mehr als jede zweite in Apotheken abgegebene Arzneimittelpackung rezeptfrei.

© tibor13 / Getty Images / iStock

NEU-ISENBURG. Wie bewerten Sie die Chancen und Risiken weiterer OTC-Switches für Ihren Arbeitsalltag und für die Versorgung Ihrer Patienten? Sind Apotheker dazu in der Lage und nehmen sie sich die Zeit dafür, Patienten bei komplexeren Arzneimitteln adäquat zu beraten? Welche Wirkstoffe halten Sie für geeignet, dass sie aus der Rezeptpflicht genommen werden? Ihre Meinung zu diesem kontroversen Thema interessiert uns. Machen Sie daher mit bei unserer Leserumfrage, die von "Ärzte Zeitung" und dem Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) umgesetzt wird. (eb)

[31.12.2017, 14:18:51]
Hermann Eiken 
Apothekergestützte Selbstmedikation ist etwas anderes als reine Selbstmedikation
Patient als sich selbst behandelnderArzt? - Ja, in gewisser Weise ist das immer so.— Auch der ausgebildete Arzt hilft dem Patienten, sich zu heilen. Insofern unterstützt auch der Heilberufler Apotheker den Patienten, sich sinnvoll selbst zu heilen. Es sollte bekannt sein, dass die Apotheker nach 5 Jahren universitärem Pharmaziestudium meist noch 3 Jahre oder mehr analog zur Facharztausbildung ihre Fachapothekerausbildung absolviert haben. Eine kontinuierliche Weiterbildung und praktische Erfahrung im Beruf meist in der öffentlichen Apotheke geben den Apothekern und Apothekerinnen das Rüstzeug verantwortungsvoll zu Arzneimitteln zu beraten. Wenn eine Krankheitsdiagnose zweifelhaft ist wird jeder Apotheker den Gang zum Arzt empfehlen, um die Diagnose abzusichern. Beraten zu Indikationen und Wechselwirkungen von Medikamenten können Apotheker heute dank ihrer umfassenden pharmakologischen Ausbilung und Erfahrung auf jeden Fall.Das zeigt sich zum Beispiel auch bei der Pille danach. Die Beratung funktioniert, obwohl viele Ärzte zunächst Bedenken hatten. —� Was aber zu überlegen ist, — sollten alle aus der Verschreibungspflichtig entlassenen Medikamente im Versand zu erhalten sein. — Da sollte man sehr vorsichtig sein. Die apothekerliche Therapiebegleitung ist genauso wichtig wie die ärztliche Therpiebegleitung zum Beitrag »
[28.12.2017, 11:31:21]
Dr. Walther Kirschner 
Medikamente ohne Rezept - Patient als Arzt
Wenn immer mehr Medikamente ohne ärztliches Rezept erhältlich sind, stellen sich neue - und alte - Fragen. Warum ist das so? Ist das gut, ist das schlecht? Wer ist dafür verantwortlich? Wieso ist das überhaupt möglich? Versagt die Gesetzeslage? Warum werden Behörden und wissenschaftliche Verbände nicht dagegen aktiv? Will das die Industrie und die Geschäftswelt, oder will sie es nicht? Es gibt sicher noch viel mehr Fragen...

Grundsätzlich gab es und gibt es immer noch die sogenannte Verschreibungspflichtigkeit von Medikamenten (ärztliches Rezept als Voraussetzung). Diese ist gesetzlich und wissenschaftlich (pharmakologisch) definiert - sofern man zunächst nur den Geltungsbereich des Gesetzes, also innerhalb Deutschlands, betrachtet. Exkurs: Was ist denn außerhalb dieses Geltungsbereiches, z.B. in den USA, in Ungarn, in Spanien, In Russland, in China, in Indien, in Äthiopien, im Sudan, in Korea, in....? Gelten dort nicht die gleichen wisenschaftlichen Erkenntnisse und Maßstäbe (Pharmakologie), zum Schutz von Patienten? Zugegeben: eine rhetorische Frage.

Die gesetzliche Verschreibungspflichtigkeit referenziert auf den Arzt als wissenschaftlich ausgebildeten Kompetenzträger. Dabei kann ein Arzt z.B. eine Ausbildung von 6-8 Jahren haben, ein Facharzt zusätzlich von 6-8 Jahren, also insgesamt 12-16 Jahren. Diese wissenschaftliche und fachliche Kompetenz entfällt (Risikosicherheit!), wenn Medikamente frei zugänglich sind bzw. werden.

Ein Patient, der ein entsprechendes Medikament frei verkäuflich erhalten kann, wird - de facto - quasi zum sich selbst behandelnden Arzt, allerdings ohne die oben dargestellte fachliche Kompetenz. Darüber können auch die Informationsquellen aus Internet und anderen Quellen nicht hinweg täuschen.

Wie steht es dabei mit der Verantwortlichkeit von Industrie und Geschäftswelt? Das könnte man fragen, ist aber die falsche bzw. nicht die primäre Fragestellung, da in erster Linie die 'Gesetzeslage' gefragt ist (wer ist das?, was ist damit gemeint?, wer ist denn da verantwortlich?, welche Politiker sind dafür zuständig?, welche wissenschaftlichen Gesellschaften haben das zu verantworten?...). Was nun...?

Die Thematik lässt noch viele Fragen offen. Aus fachlicher, insbesondere aus ärztlicher Sicht, sind vielfältige Fragen allerdings schon seit Jahren und sogar Jahrzenten bekannt, nach wie vor jedoch nicht oder nicht ausreichend beantwortet. Gesetzgeber, Gesundheitspolitiker, Fachläute (Wissenschaftler, Ärzte u.a.), Patientenvertreter u.a. sind weiterhin dringlich zur Beantwortung dieser Fragen gefordert.

Dr. W. Kirschner



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