Ärzte Zeitung online, 16.08.2018

Expertise breiter fächern

Forschungsministerium strebt Unabhängigkeit in der Antibiotika-Forschung an

Das Bundesforschungsministerium finanziert unabhängige Antibiotika-Wissenschaftsexpertise.

JENA. Mit dem Forschungskonsortium InfectControl 2020 will die Bundesrepublik die Erforschung neuer Antibiotika vorantreiben – unabhängig von den Anstrengungen der Pharmaindustrie. Vor allem die resistenten Keime sind es, die Gesundheitsexperten und Forschern aufgrund ihrer schnellen Verbreitung Sorge bereiten.

Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betonen immer wieder, wie wichtig die Entwicklung neuer Antibiotika sei.

Die Entwicklung neuer Antibiotika-Klassen erfordert, wie das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut (HKI), mitteilt, einen immensen finanziellen und zeitlichen Aufwand sowie ein umfassendes Expertenwissen. Gleichzeitig seien die zu erwartenden Erträge gering, da vor allem neue Medikamente als Reserve-Antibiotika von den Ärzten zurückgehalten werden sollen.

Aus diesem Grund sind neue Entwicklungs- und Finanzierungsmodelle dringend erforderlich. "Die von neuen und resistenten Erregern ausgehende Bedrohungslage erfordert immense finanzielle und organisatorische Anstrengungen. Wie wir heute sehen, darf die Entwicklung neuer Antibiotika nicht dem freien Spiel der Marktkräfte überlassen werden.

Das gesamtgesellschaftliche Problem verlangt geradezu nach international abgestimmten Antworten aus der Politik", erläutert der Sprecher des vom Bundesforschungsministerium finanzierten Forschungskonsortiums InfectControl 2020, Professor Axel Brakhage vom HKI. Mit InfectControl 2020 gehe Deutschland einen wichtigen Schritt in diese Richtung. Das aus öffentlichen Mitteln finanzierte Engagement akademischer Einrichtungen in der Wirkstoffentwicklung bis in die klinischen Phasen hinein sichere zudem wichtiges Expertenwissen, das durch die Abkehr der Industrie verloren zu gehen drohe.

"Wenn wir nicht eine kritische Masse an hochqualifizierten Wissenschaftlern vorhalten, gehen uns schlicht die Kenntnisse verloren, die für die Antibiotika-Entwicklung unerlässlich sind. Am Beispiel des Tuberkulose-Wirkstoffes BTZ043 sammeln wir derzeit wichtige Erfahrungen, die auch für künftige Projekte enorm wichtig sind", so Brakhage.

BTZ043 ist ein Vertreter einer neuen Wirkstoffklasse mit hoher Aktivität gegen den Erreger der Tuberkulose, Mycobacterium tuberculosis. Er sei am HKI entdeckt worden und wirke auch gegen multiresistente Erregerstämme.

Derzeit werde BTZ043 im Rahmen einer klinischen Studie erstmals am Menschen getestet. Die bislang rund 15 Millionen Euro umfassende Medikamentenentwicklung werde hauptsächlich durch InfectControl 2020, das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung und den Freistaat Thüringen finanziert. (maw)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So hoch ist die Lebenserwartung in der Welt

Wer als Junge in Deutschland geboren wird, darf sich im Schnitt auf 78 Jahre freuen. Wie hoch ist die Lebenserwartung in anderen Ländern der Welt? Wir geben die Antwort. mehr »

Pflege-Eigenanteil deckeln!

16:41Viele Bürger beklagen, dass Pflegeheime teuer sind, berichtet die DAK in ihrem Pflegereport. Kassenchef Storm schlägt nun vor, den Eigenanteil zu beschränken. Das entflammt eine neue Debatte über die Pflege-Finanzierung. mehr »

Der Gesundheitsminister will das E-Rezept

Krankenkassen, Ärzte und Apothekerschaft sollen in ihren Rahmenverträgen das elektronische Rezept ermöglichen. Eine gesetzliche Verpflichtung soll bis 2020 stehen. mehr »