Ärzte Zeitung, 11.06.2014
 

Schleswig-Holstein

TK bietet Verordnungsanalyse für Ärzte an

In Schleswig-Holstein verschreiben Ärzte mehr Arzneimittel mit geringem Zusatznutzen als andernorts. Die Techniker Kasse will Niedergelassenen nun besser aufklären.

KIEL. Die Techniker Krankenkasse (TK) im Norden setzt auf mehr Arzneimittel-Informationen für die verordnenden Ärzte. Die TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein kündigte hierzu Gespräche mit der KV und eine stärkere Bewerbung der eigenen Verordnungsanalysen an.

Grund für die Informationsoffensive ist der aktuelle Innovationsreport, der mit finanzieller Unterstützung der Kasse erstellt wurde. Er bescheinigt nur drei der 20 Neueinführungen aus dem Jahr 2011 uneingeschränkt Innovationscharakter. Sieben Neueinführungen erhielten den Stempel "nicht innovativ". Die restlichen zehn gelten laut Report als "begrenzt innovativ".

Betrachtet haben die Forscher um Studienleiter Professor Gerd Glaeske, ob es bereits verfügbare Therapien gibt, ob für den Wirkstoff ein Zusatznutzen nachgewiesen werden konnte und ob die Therapiekosten höher oder niedriger als die vorhandener Alternativen liegen.

Regionale Unterschiede festgestellt

Der Report hatte auch regionale Unterschiede deutlich gemacht. Danach zählt Schleswig-Holstein zu den Bundesländern, in denen die Ärzte besonders viele Arzneimittel mit einem geringen Zusatznutzen verordnen.

TK-Landeschef Dr. Johann Brunkhorst machte in einem Pressegespräch deutlich, dass er neben einer erneuten Bewertung der Arzneimittel auch mehr Information für die Ärzte für erforderlich hält.

Angebote sind bereits vorhanden: So können sich Ärzte etwa ihr individuelles Verordnungsverhalten von der Kasse analysieren lassen. Bislang nutzen dies im Norden aber erst gut 100 Verordner.

Die frühe Nutzenbewertung, die der Gesetzgeber mit dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) eingeführt hat, begrüßte Brunkhorst ausdrücklich, er hält aber weitere Maßnahmen für erforderlich.

"Wir wissen jetzt mehr, setzen es aber in der Versorgungsrealität noch nicht um", sagte Brunkhorst. Um das zu erreichen, müssten Erfahrungen aus dem Alltag der verordnenden Ärzte analysiert werden. (di)

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