Kongress, 06.06.2013

Spezialfachärzte

Warten auf den Start

Vertreter der niedergelassenen Ärzte und der Krankenhäuser blicken dem Start der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung mit verhaltenem Optimismus entgegen.

Von Anno Fricke

BERLIN. Eine rasche Umsetzung der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) haben Vertreter der Selbstverwaltung beim Hauptstadtkongress gefordert. Gleichzeitig wiesen sie auf Webfehler im Regelwerk für den neuen Leistungsbereich hin.

Unklar sei zum Beispiel, wie schwere Verlaufsformen onkologischer Erkrankungen definiert werden könnten, sagte Nicole Schlottmann von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Krebspatienten gehörten zu Beginn ihrer Erkrankung in eine interdisziplinäre Behandlung, wie sie die ASV vorsehe, und nicht erst, wenn das Leiden schwer verlaufe.

Zudem werde die Vorgabe einer "gesicherten Diagnose" zahlreiche Zweifelsfälle verursachen. Es sei daher damit zu rechnen, dass weniger Patienten Leistungen nach dem neuen Paragrafen 116b erhalten könnten als nach dem alten.

Schlottmann bestätigte, dass die Verunsicherung bei den Kliniken trotz der großen Chancen, die die neue Versorgungsform biete, groß sei. Die für die ambulante Versorgung nach dem alten Paragrafen 116b zugelassenen Abteilungen blickten in eine ungewisse Zukunft.

Manche hätten bereits ihre Ermächtigungen verloren. Neue Zulassungen würden derzeit nicht mehr ausgesprochen. Im Jahr 2010 gab es 1239 Zulassungen (nicht gleichzusetzen mit Krankenhäusern) zur ambulanten Behandlung der Indikationen nach dem alten 116b. Abgerechnet wurden dafür rund 100 Millionen Euro.

Dass es derzeit eine Regelungslücke gebe, bestätigte Renate Höchstetter von der Geschäftsstelle des GBA. "Es gibt einen rechtsleeren Raum im Augenblick", sagte Höchstetter am Donnerstag. Die ASV biete Chancen, die Versorgung zu verbessern, und zwar wohnortnah. Zudem trage sie zur Überwindung der Sektorengrenzen bei.

Mindestmengen in der Kritik

Optimistisch, aber auch mit einer gehörigen Portion Skepsis erwarten die niedergelassenen Fachärzte den Start der ASV. Es gibt die Sorge, Patienten an den stationären Sektor zu verlieren.

Positiv sei, dass die neue Versorgungsform in der gegenwärtigen Form Kooperationen nicht verhindere, sagte Dr. Stephan Schmitz, Vorsitzender des Berufsverbandes niedergelassener Hämatologen und Onkologen.

Schmitz kritisierte, dass über die Anlagen zu den Indikationen möglicherweise Mindestmengen als Zulassungskriterium für den neuen Sektor festgelegt werden könnten. Mindestmengen seien keine geeigneten Steuerungselemente.

Am 21. März hat der Gemeinsame Bundesausschuss den Paragrafenteil seiner Richtlinie für die ambulante spezialfachärztliche Versorgung und Eckpunkte für die indikationsbezogenen Regelungen beschlossen. "Dieser Beschluss gilt derzeit für niemanden", sagte Schlottmann. Erst, wenn die erste Anlage dazukomme, könne die ASV starten.

In der ASV können niedergelassene Fachärzte und ihre Kollegen in Krankenhäusern in allen denkbaren Kooperationsformen gemeinsam Patienten mit schweren Erkrankungen oder mit schweren Verlaufsformen von Krankheiten behandeln.

Erste Indikationen für die ASV sollen nach Angaben des GBA schwere Verläufe von gastrointestinalen Tumoren, von rheumatischen Erkrankungen und Herzinsuffizienz sowie die Tuberkulose und die Mukoviszidose sein.

Mengenbegrenzungen soll es in dem neuen Leistungsbereich nicht geben. Die Abrechnung soll außerbudgetär erfolgen. Das Gesamtbudget soll so bereinigt werden, dass sich die an der ASV unbeteiligten Hausärzte nicht schlechterstellen. Als mögliche Startpunkte nennen GBA-Vertreter Ende 2013 oder das Frühjahr 2014.

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