Ärzte Zeitung online, 21.12.2017

Rheuma

GBA beschließt Regeln für ASV-Teams

Ein Jahr nach dem Grundsatzbeschluss über die Schaffung einer ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) für Rheuma hat der Bundesausschuss jetzt notwendige Detailregelungen beschlossen.

Von Helmut Laschet

GBA beschließt Regeln für ASV-Teams

Untersuchung der Handgelenke: Rheuma-Patienten können künftig von ASV-Teams profitieren.

© narstudio / stock.adobe.com

BERLIN. Die reine Lehre auf dem Papier durchsetzen? Oder eine Kompromisslösung finden, die sich an vorhandenen fachlichen Kapazitäten orientiert? Mit diesen Alternativen hat sich der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) am Donnerstag bei der Gestaltung der Anforderungen an die Leistungserbringung für die spezialfachärztliche ambulante Versorgung Rheuma eingehend befasst. Mit der ausschlaggebenden Stimme seines Vorsitzenden Josef Hecken hat der Ausschuss Ausnahmetatbestände zugelassen, die die Bildung von ASV-Teams auch in der Realität ermöglichen.

Im Kern ging es darum, dass der GKV-Spitzenverband als Verfechter der reinen Lehre die zwingende Teilnahme auch von Orthopäden mit der Zusatzbezeichnung orthopädische Rheumatologie forderte. KBV und Deutsche Krankenhausgesellschaft lehnten dies wegen der geringen Zahl der Fachärzte mit dieser Zusatzqualifikation ab. KBV-Chef Dr. Andreas Gassen mahnte, "die ASV Rheuma endlich ans Laufen zu bringen". Unterstützung erhielt er dafür vom GBA-Vorsitzenden Hecken, der angesichts der notwendigen 24-Stunden-Rufbereitschaft von Ärzten in ASV-Teams davor warnte, schnell an den Rand der Kapazitäten zu geraten.

Der GKV-Spitzenverband sah mit einer flexiblen Lösung den Rubikon als überschritten an. "Wir schaffen damit eine spezialfachärztliche Versorgung ohne die entsprechenden Fachärzte. Das geht nicht", empörte sich GKV-Vize Johann-Magnus von Stackelberg. Ferner wurde eine Möglichkeit geschaffen, dass die in Kliniken tätigen internistischen Rheumatologen Speziallaborleistungen (wie zum Beispiel der Rheumafaktor HLA-B27) selbst erbringen und abrechnen können, so wie dies auch für diese Facharztgruppe in der vertragsärztlichen Versorgung gilt. Sichergestellt wird mit der neuen ASV auch, dass Rheuma-Patienten beim Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter Transitionsleistungen erhalten.

Darüber hinaus hat der Bundesausschuss die ambulante spezialfachärztliche Versorgung für urologische Tumore beschlossen. "Von urologischen Tumoren sind große Patientengruppen betroffen, für die das Angebot einer interdisziplinären und sektorübergreifenden vernetzten Versorgung hilfreich sein wird, sagte Dr. Regina Klakow-Franck, unparteiisches Mitglied des GBA. Bei bestimmten Fallkonstellationen sind Spezialuntersuchungen wie PET oder PET/CT möglich, die es in der vertragsärztlichen Versorgung nicht gibt.

Einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen erkannte der Bundesausschuss im Rahmen der Nutzenbewertung von Cerliponase alfa an, einem Orphan Drug zur Behandlung der neuronalen Ceroid-Lipofuszinose (NCL) Typ 2. GBA-Patientenvertreter plädierten dafür, diesem Medikament einen beträchtlichen Zusatznutzen zuzuerkennen, vor allem auch deshalb, weil Eltern betroffener Patienten von deutlichen Effekten einer sonst dramatisch verlaufenden Krankheit berichtet hätten.

Das Orphan Drug Nusinersen zur Behandlung von 5q-assoziierter spinaler Muskelatrophie erhielt für die Subgruppe der Patienten mit Typ 1 dieser Krankheit einen erheblichen, für Typ-2-Patienten einen beträchtlichen Zusatznutzen, für andere Typen war der Zusatznutzen nicht quantifizierbar. Die Jahrestherapiekosten liegen bei 620.000 Euro.

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