Ärzte Zeitung, 18.06.2014

Kommentar zum Kauf von Praxissitzen

Neuer Generationenvertrag

Von Robert Büssow

Jetzt wird es teuer: Die Thüringer KV überlegt, Praxissitze aufzukaufen, bevor es ein Klinik-MVZ tut. Deren angestellte Ärzte arbeiten nämlich weniger, jeder Dritte 20 Stunden pro Woche und darunter - sagt die Statistik der KV.

Die Gretchenfrage lautet: Kann, darf oder sollte eine öffentlich-rechtliche Körperschaft auf dem freien Markt mitbieten? Und wo ist die Grenze? Wäre das Wettbewerbsverzerrung?

Man kann so argumentieren, aber man muss auch sehen: Die Preisfindung über den Markt versagt immer häufiger. Die Nachfrage nach Praxen auf dem Land ist vielerorts zusammengebrochen, das Angebot groß, der Preis tendiert gegen Null. Manche Inhaber sind froh, wenn ein MVZ daher überhaupt etwas zahlt.

Doch nicht nur rechtliche Fragen sind offen. Auch die KV müsste die Praxen besetzen - mit einem angestellten Arzt, falls sich kein Freiberufler findet. Das klappt zwar mit der KV-Eigeneinrichtung in Thüringen im kleinen Rahmen seit ein paar Jahren ganz gut - auch weil die Ärzte irgendwann die Praxen übernehmen.

Doch wenn die Ruhestandswelle bald losrollt, müsste die KV Dutzende Praxen kaufen, für Millionen Euro. Dann sitzt sie auf Zulassungen, womöglich aus den Honorartöpfen bezahlt. Die Kernfrage lautet daher: Sind die jungen Ärzte zu einem solchen Generationenvertrag bereit?

Lesen Sie dazu auch:
Aufkauf von Praxissitzen: KV will MVZ-Boom stoppen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »