Ärzte Zeitung, 11.07.2014

Berlin

"Jeder dritte Hausarzt müsste umziehen"

Der ungleichen Verteilung von Hausärzten in Berlin müsste eigentlich mit einem massiven Umzugsprogramm der Praxen begegnet werden, so der Senat.

BERLIN. Fast jeder dritte Hausarzt in Berlin müsste umziehen, damit die hausärztliche Versorgung in den Berliner Bezirken gleichmäßig wird. Das berichtete die Berliner Gesundheitsstaatssekretärin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) bei einer Veranstaltung der Kaiserin-Friedrich-Stiftung für ärztliche Fortbildung. "Wir haben keinen Ärztemangel, wir haben eine ungleiche Verteilung auf der Ebene der zwölf Bezirke", stellte die Staatssekretärin fest.

So gibt es in Charlottenburg-Wilmersdorf fast doppelt so viele Hausärzte wie laut Bedarfsplanung auf Bezirksebene vorgesehen - in Neukölln, Spandau und Friedrichshain-Kreuzberg deutlich weniger als nötig.

"Die ärztliche Versorgung ist in sozial schwachen Regionen leider schlechter aufgestellt", sagte Demirbüken-Wegner. Hauptproblem sei, eine Umverteilung zu erreichen. Dazu wäre es nötig, so die Staatssekretärin, "dass jeder dritte Hausarzt eigentlich seine Praxis in diese Bezirke verlegen müsste". Auf diese Umsteuerung zielt das gemeinsame Landesgremium mit einer Absichtserklärung. Erste Zwischenergebnisse werden für den Herbst dieses Jahres erwartet.

20.550 Betten in 57 Kliniken

In der Krankenhausplanung arbeitet die Senatsgesundheitsverwaltung auf eine Qualitätssteigerung hin. Für den Krankenhausplan 2016 werde es nahezu unverändert 20.550 Betten in 57 Kliniken geben.

"Der Krankenhausplan bedeutet nicht mehr Betten, er bedeutet mehr Qualität", sagte Demirbüken-Wegner. Zu den Qualitätskriterien zählt sie unter anderem Mindeststandards für Personalausstattung vor allem in der Notfallversorgung, Hygienestandards, Entlassungsmanagement und Patientensicherheit.

Zugleich will die Senatsgesundheitsverwaltung die Investitionsförderung von der bisherigen Einzelförderung auf Pauschalförderung umstellen "Wir möchten, dass die Krankenhäuser eine viel größere Entscheidungsfreiheit erhalten als jetzt", sagte Demirbüken-Wegner. Bis zu einer bestimmten Summe sollen die Kliniken nach ihren Angaben selbst entscheiden, wie sie mit der Pauschalförderung umgehen.

"Wir wollen auch, dass die Pauschalförderung, wenn sie im Jahr 2014 nicht ausgegeben wird auf das Jahr 2015 übergeht", so die Staatssekretärin weiter. Dazu muss das Krankenhausförderungsgesetz in Berlin geändert werden. (ami)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Welche Reformen sind dringend notwendig?

Bürgerversicherung, Regressrisiko, GOÄ: Unsere Leser haben abgestimmt, welche Themen in der Gesundheitspolitik die nächste Bundesregierung unbedingt anpacken sollte. mehr »

Patienten sollen für Infos zahlen

Patienten und Angehörige sind bei beratungsintensiven Erkrankungen häufig hilflos. Viele Akteure versuchen, neutrale Angebote im Internet bereitzustellen. Ein Biologe will nun Beteiligte auf einer Plattform zusammenführen. mehr »