Ärzte Zeitung online, 09.07.2015

Über- und Unterversorgung

DGIM will Unnötiges in der Medizin aufspüren

Wo gibt es Überversorgung, was sind die Ursachen dafür? Die DGIM plant eine große Umfrage. Damit soll herausgefunden werden, was in der Medizin überflüssig ist und was verbessert werden kann.

Von Philipp Grätzel von Grätz

BLICK-AH.jpg

Blick auf Über- und Unterversorgung: Die DGIM will dränge Fragen untersuchen.

© Andreas Haertle Fotolia.com

BERLIN. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) plant für Herbst eine Mitgliederbefragung zur Überversorgung. Geklärt werden soll, warum Ärzte Maßnahmen durchführen, die unnötig sind und was dagegen getan werden kann.

Im Rahmen der Initiative "Klug entscheiden" wollen die internistischen Schwerpunktfächer 120 evidenzbasierte Empfehlungen zu medizinischen Maßnahmen zu Papier bringen, auf die Ärzte entweder verzichten oder die sie häufiger nutzen sollten.

"Die Empfehlungen der Fachgesellschaften liegen bis September vor. Danach werden sie in einem Konsentierungsprozess unter Einbindung von Patienten verabschiedet", sagte DGIM-Vorsitzender Professor Gerd Hasenfuß, Göttingen.

Ziel sei es, die Maßnahmen bis Ende des Jahres zu publizieren. Außerdem wird es eine frei zugängliche Webseite geben, die die Empfehlungen in Patientensprache aufbereitet.

Parallel dazu wird die DGIM im Herbst eine Mitgliederbefragung durchführen, in der die Ursachen für Überversorgung im Alltag genauer eruiert werden: Führt der Druck der Patienten dazu, dass unnötige Maßnahmen veranlasst werden? Ist es die Angst, etwas falsch zu machen oder zu übersehen? Oder liegt es ganz banal an finanziellen Anreizen?

Finanzielle Anreize als ein wesentlicher Grund?

Angestrebt wird, die unterschiedlichen Fachdisziplinen repräsentativ abzubilden. Die Befragung soll entweder telefonisch oder elektronisch erfolgen.

"Es ist wichtig, dass wir über die Ursachen und die Relevanz von Überversorgung Klarheit haben, auch damit wir wissen, wie wir der Politik gegenüber auftreten müssen", sagte DGIM-Generalsekretär Professor Ulrich Fölsch aus Kiel.

Sollte sich beispielsweise herausstellen, dass finanzielle Anreize ein wesentlicher Grund für unnötige Maßnahmen sind, müsste die Lobbyarbeit für eine bessere Vergütung ärztlicher Gespräche verstärkt werden.

Ist die Erwartungshaltung von Patienten das Problem, gilt es, besser zu informieren. Auch Veränderungen in der ärztlichen Ausbildung sind denkbar mit dem Ziel, die Indikationsqualität zu verbessern.

Hasenfuß berichtete über Examina, in denen er gelegentlich nicht nur danach fragt, wie behandelt werden sollte, sondern auch, welche Behandlungen nicht indiziert sind und warum.

Hier komme von den Studenten oft relativ wenig. Kardiologischer Klassiker auf dem Feld der unnötigen Maßnahmen ist für Hasenfuß die Stentimplantation ohne Ischämienachweis. Betroffen sei eine sechsstellige Zahl von Patienten.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Blick ins Gehirn offenbart beste Therapie-Option

Einige Depressive sprechen besser auf Verhaltenstherapien an, andere auf Antidepressiva. Ein Blick ins Hirn per fMRT zeigt, welcher Ansatz den meisten Erfolg verspricht. mehr »

Ein steiniger Weg nach Deutschland

Ob geflohen vor Krieg oder eingewandert aus anderen Teilen der Welt: Wer als ausländischer Arzt in einer deutschen Klinik oder Praxis arbeiten will, muss Ausdauer haben – und gutes Deutsch können. mehr »

Milliarden für die Versicherten – Kassen bleiben skeptisch

Erster Aufschlag des neuen Gesundheitsministers: Jens Spahn will gesetzlich Versicherte per Gesetz entlasten. Aus Richtung Kassen weht scharfer Gegenwind. mehr »